Hobbyimker werden: So gelingt der Start

05. Dezember 2019

Die Anzahl der Hobbyimker in Deutschland steigt weiter stetig an – doch welche Schritte sind die ersten, wenn man Hobbyimker werden möchte? Braucht man wirklich einen Imkerpaten? Und was lernt man bei der Neuimkerschulung? René Schieback von der Sächsischen Imkerschule gibt Antworten zum Start als Hobbyimker.

DBJ: Die Zahl der Hobbyimker ist in den vergangenen Jahren in den meisten Regionen Deutschlands stark gestiegen. Wird der Trend Ihrer Meinung nach anhalten? Wenn ja, warum?

Schieback: Das Interesse an einer intakten Umwelt und dem Problem des Rückgangs der Artenvielfalt ist weltweit sehr hoch. Das setzt Kräfte frei bis hinein in die Politik und ist hoffentlich nicht nur ein Trend. Speziell unsere Honigbienen bieten die Möglichkeit, sehr nah an einem unglaublich faszinierendem wie kompliziertem System zu sein, welches sich über viele Millionen Jahre in Symbiose mit der Pflanzenwelt entwickelte. Imkern bedeutet lebenslanges Lernen, genaues Beobachten, Erkennen von Zusammenhängen und Handeln im richtigen Moment über den Bienenstock hinaus. Es bedeutet Austausch, Vernetzung, Weiterbildung und auch Weitergabe von Wissen und Engagement – auch politisch. Wer kann dem schon widerstehen? Es bedeutet aber auch Verantwortung für Lebewesen. Daher sind praxisorientierte Imkerkurse so wichtig. Erst direkt an den Bienen erkennt man, ob man der Sache tatsächlich gewachsen ist.

Hobbyimker werden: Imkerpaten für jeden nicht möglich

Wer Hobbyimker werden möchte, wendet sich klassischerweise als erstes an einen Imkerverein. Ist dies aus Ihrer Sicht der einzig richtige Weg oder welche Alternativen kann man wählen?

Das kommt darauf an, wie der jeweilige Imkerverein aufgestellt ist. Ich gebe zu, dass es gelegentlich diplomatisches Geschick braucht, um Neuzugänge mit erfahrenen Imker zusammen zu bringen. Beginnende Hobbyimker sind oft sehr gut informiert, was wie auf der Welt mit den Honigbienen gemacht wird, welche Betriebsweisen es gibt, was gut bzw. schlecht für Bienen ist usw. Sie wissen oft auch sehr genau, wie sie bzw. wie sie nicht imkern wollen. Dass sehr viel davon in der Praxis relativiert wird, können sie nicht wissen. Dazu gehört Aufklärung und die unmittelbare Arbeit an den Bienen über Jahre. Wenn sie bei diesem Lernprozess nicht begleitet werden, kann dies unschön sowohl für die Bienen als auch die umliegenden Imker enden. Daher braucht es die Unterstützung der “Erfahrenen”.

Brauchen Hobbyimker einen Imkerpaten?

Ausgabe 3/2020

Titelbild Deutsches Bienen-Journal 3/2020

Top-Themen:

  • Schwerpunkt Wandern
  • Glyphosat im Honig
  • Besuch in einer Bienenbibliothek

> zum Inhalt

Wie wichtig ist das Modell des Imkerpatens für einen Neueinsteiger? Also dass er erst einmal eine Zeit lang einen erfahrenen Imker begleitet? Wird dieses Modell noch ausreichend praktiziert?

Eigentlich ist es sehr wichtig. Wissen wir doch, dass es wohl kaum etwas Komplexeres gibt als die Imkerei, bei der Theorie und Praxis so weit auseinander gehen können. Die Realisierung jedoch, dass jeder Neuimker einen aktiven Paten bekommt, ist in vielen Vereinen nahezu nicht möglich. Da braucht es andere Konzepte, wie z.B eine regelmäßige Standschau, bei der die Völker öffentlich durchgesehen und Fragen beantwortet werden können. Ehrenamt kommt da schnell an seine Grenzen. Deshalb ist es meiner Meinung nach nicht verwerflich, sich solch einen erheblichen organisatorischen Aufwand honorieren zu lassen.

Imker müssen Theorie und Praxis lernen

Welche Basics vermitteln Sie in einer Neuimkerschulung?

Vormittags Theorie, nachmittag Praxis an den Völkern – beides ist sehr wichtig. Bei uns geht es am Anfang um den Aufbau eines Bienenvolkes und dessen Entwicklung über das Jahr. Wir laden diverse Referenten ein, die ihre Betriebsweise vorstellen. Die schwierigste Entscheidung, die ein Hobbyimker zu Beginn treffen muss, ist wohl die Wahl der Beute. Wir stellen deshalb verschiedene Beutensysteme und auch Betriebsweisen in der Praxis vor und legen den Fokus auf die Vor- und Nachteile. Die Gewinnung und Verarbeitung von Honig spielt ebenfalls eine große Rolle. Schließlich wird eines der wertvollsten Lebensmittel überhaupt produziert. Das hat natürlich auch seinen Preis.

Einer unserer Workshops beinhaltet das Thema Krankheiten, deren Erkennung, Vorbeugung und Bekämpfung. Dies umfasst auch die Varroabehandlung. Den Lebens- und Vermehrungszyklus der Varroamilbe muss jeder Imker gut kennen. Ist dies nicht der Fall, sind verschiedene Varroabehandlungskonzepte überhaupt nicht zu verstehen. Letztlich wird selbstverständlich über die Rechte und Pflichten in der Imkerei aufgeklärt. Dies sind zwar reine Innenveranstaltungen, aber durch das Vorstellen von Fallbeispielen wird der Bezug zur Praxis hergestellt.

Was die Arbeit an den Bienen angeht, besuchen wir verschiedene Imkereien. Dass überall etwas anders gearbeitet wird, ist für die Neuimker von großem Vorteil. Ab 2020 ist außerdem die Teilnahme an Faulbrutsanierungsaktionen geplant.

Hobbyimker werden: Wissen und Netzwerk notwendig

Aus großen Städten wie Berlin hört man schon Stimmen, dass es mittlerweile zu viele Imker gibt und dass Betriebsweisen genutzt werden, die vor allem für Anfänger ungeeignet sind. Was halten Sie von der Kritik?

Dort, wo viele Bienenvölker sehr konzentriert aufgestellt sind, ist die Übertragung von Krankheiten, die Reinvasion mit Varroamilben oder das Auftreten von Schwärmen in höherem Maß gegeben. Das ist in Großstädten nun einmal der Fall. Auch die Sanierung von Faulbrutausbrüchen gestaltet sich schwieriger. Es macht einen Unterschied, ob man es dabei mit zehn oder mit hundert ImkerInnen in einem Faulbrutsperrbezirk zu tun hat. Umso wichtiger ist es, dass alle über ausreichend Wissen verfügen und auch mit umliegenden ImkerInnen vernetzt sind, um Probleme rechtzeitig und professionell anzugehen. Was speziell das Imkern auf dem Balkon angeht: Als erfahrener Imker würde ich mir das zutrauen. Auch, wenn es mir zu aufwändig wäre, die schweren Kisten und den klebrigen Honig immer wieder in der Wohnung zu haben. Aber für Anfänger in der Hobbyimkerei ist das nichts. Stiche, Schwärme, Honig – das kann am Anfang auch schnell überfordern.

jtw

>> (öffnet in einem neuem Tab)”>Mehr über einen erfolgreichen Start als Hobbyimker lesen Sie im Sonderheft “Bienen als Hobby” des Deutschen Bienen-Journals.>>>



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