Unbezahlbar: Der teuerste Honig der Welt

10. Februar 2020

Ihre Kunden sagen, sechs Euro für ein Glas Honig seien viel? Der teuerste Honig der Welt kommt aus der Türkei und wird für dreistellige Beträge pro Kilogramm verkauft.

Der teuerste Honig der Welt: Anzerhonig aus der Türkei mit 700 Euro/kg

Zwischen der türkischen Schwarzmeerküste und der georgischen Grenze, nahe dem Dorf Balliköy – was so viel wie „Honigdorf“ bedeutet –, liegt auf 3.000 m Höhe Anzer Yaylası, eine baumlose Hochebene. Sie ist der Ursprung eines dickflüssigen Schatzes. Anzerhonig war angeblich einst ein beliebtes Geschenk für die osmanischen Sultane. Bis heute zählt die Sorte zu den teuersten der Welt und wird mit bis zu 700 Euro pro Kilogramm gehandelt.

Jedes Jahr werden nur kleine Mengen dieses Bergwiesenhonigs produziert, da die Region klein ist und die Bienen nur ein kurzes Zeitfenster zum Sammeln haben. In den Wintermonaten, bis in den April oder Mai des Folgejahres, ist die Auffahrt zur Anzer-Hochebene kaum möglich. Die Imker kehren also oft erst im Mai zu ihren Bienen in den Bergen zurück. Das Angebot wird zusätzlich verknappt, da die Bienen ausschließlich auf ihrem eigenen Honig überwintern. Sie werden nicht mit Zucker gefüttert, damit der Honig im Folgejahr nicht verfälscht wird.

In schlechten Jahren kann es vorkommen, dass die Imker gar keinen Honig ernten. Dr. Aslı Özkırım von der Hacettepe-Universität in Ankara bestätigte uns, dass Anzerhonig streng kontrolliert wird. Während gewöhnlicher Sortenhonig einen gewissen Prozentsatz an Nektar fremder Blüten enthalten darf, muss Anzerhonig zu 100 % aus der dortigen Vegetation stammen. Da die Flora auf den Almwiesen gleichbleibt, ändert sich der Geschmack des Honigs von Jahr zu Jahr kaum: Anzerhonig soll einen milden, blumigen Geschmack haben.

Der Anzerhonig gilt als teuerster Honig der Welt. Foto: Saskia Schneider

Platz 2: Manukahonig aus Neuseeland mit 500 Euro/kg

Schon seit Jahrhunderten behandeln die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, Magen-Darm-Erkrankungen und Wunden mit Südseemyrte (Leptospermum scoparium) und Manukahonig. Heute ist bekannt, dass die Pflanze Inhaltsstoffe enthält, die über eine hohe antibakterielle Wirkung verfügen. Insbesondere ein Inhaltsstoff ist für diese Wirkung verantwortlich: das Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal, abgekürzt „MGO“. Es findet sich auch im Nektar der Pflanze, Manukahonig wird daher seit einigen Jahren beinahe weltweit als „heilsamer Honig“ beworben und sogar als natürliches Antibiotikum angepriesen. Damit setzte ein fast beispielloser Preisanstieg ein.

Ausgabe 3/2020

Titelbild Deutsches Bienen-Journal 3/2020

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  • Schwerpunkt Wandern
  • Glyphosat im Honig
  • Besuch in einer Bienenbibliothek

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Die Menge an MGO im Nektar ist allerdings von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich. Einige Sträucher liefern hohe Konzentrationen, andere eher geringere. Entsprechend hoch oder niedrig ist der MGO-Gehalt im Honig. Je höher er ist, als umso wertvoller wird der Manukahonig angesehen. Um die Wertigkeit der Manukahonige zu differenzieren, wurden entsprechende Kennzahlen eingeführt. Sie liegen zwischen 100 und 1.000 und entsprechen dem MGO-Gehalt in Milligramm pro Kilogramm Honig. Preise zwischen 100 und 500 Euro pro Kilogramm, je nach MGO-Gehalt, sind üblich. Der teuerste Honig der Welt nach dem Anzerhonig ist deshalb der Manukahonig. Neben dem MGO-Gehalt findet man im Handel auch Manukahonig mit der Deklaration des „Unique Manuka Factor“ (UMF). Die Wirkstärken, zum Beispiel „UMF 10“ oder „UMF 25“, entsprechen seiner Fähigkeit, Bakterien zu reduzieren.

Ein weiterer Faktor für den hohen Preis ist das relativ kleine Verbreitungsgebiet der Südseemyrte. Um die Nektarreserven dieser lange unterschätzten Pflanzen ist in den letzten Jahren ein regelrechter Krieg ausgebrochen: Vandalismus, zerstörte Völker und Diebstähle von Bienenvölkern sind die Folgen, mit denen Imker in Neuseeland den Hype bezahlen, berichtete The Guardian schon 2016. Der Geschmack von Manukahonig, den man hierzulande in Apotheken und Reformhäusern bekommt, ist gewöhnungsbedürftig. Zu der natürlichen Honigsüße kommt eine deutliche mineralische Note, die nicht jeder mag.

Platz 3: Waldhonig aus Baschkortostan mit 135 Euro/kg

Die kleine, weitestgehend unbekannte Republik Baschkortostan liegt in Russland, westlich des Uralgebirges, und gehört dank ihres Erdölvorkommens zu den reichsten Gebieten Russlands. Dort wird auch der drittplatzierte teuerste Honig der Welt produziert.

“Die Zeidler legen in den Bäumen selbst Baumhöhlen an und warten oft Jahre darauf, dass diese von Bienen besiedelt werden. “



teuerste Honig der Welt
Baschkirischer Zeidler mit Honig. Foto: Rustem Ilyasov

Imker pflegen hier noch die alte Kunst der Waldimkerei mit wilden Honigbienen. Die Zeidler legen in den Bäumen selbst Baumhöhlen an und warten oft Jahre darauf, dass diese von Bienen besiedelt werden. Alter­nativ werden auch Klotzbeuten genutzt, die in die Bäume gehängt werden. Auf diese Weise dauert die Wartezeit, bis eine Bienenbehausung fertig ist, nicht so lang. Die Höhlen müssen weit über dem Erdboden liegen, damit sie vor Bären geschützt sind. Hat der Imker Glück, zieht ein Schwarm der robusten, kaum domestizierten Dunklen Biene (Apis mellifera mellifera) ein. Die Distanzen zwischen ihren Völkern in dem riesigen Naturreservat erschweren den Imkern die Arbeit. Einmal im Jahr, im September, entnehmen sie die Waben. Pro Jahr und Volk kann ein Imker etwa fünf Kilogramm Waldhonig ernten. Den Bienen bleiben dann noch etwa zehn Kilogramm zum Überwintern.

Rund 500 Waldimkerfamilien in Baschkortostan betreibendiese uralte Tradition noch. Etwa die Hälfte imkert im 225 km² großen Biosphärenreservat Schulgan-Tasch, das 300 km südlich der baschkirischen Hauptstadt Ufa liegt. Dort haben die Bienen ein sehr reichhaltiges Angebot an verschiedenen Nektarsorten und Blatttrachten, die dem Honig sein besonderes, herbes Aroma verleihen. Wie jedem der extrem teuren Honige, wird auch dem baschkirischen Waldhonig eine besondere Heilwirkung nachgesagt. Während man in regionalen Läden das Kilogramm Waldhonig für etwa 90 Euro bekommt, zahlt man dafür in Moskau bis zu 135 Euro: ein Preis, der dem Honig den Beinamen „baschkirisches Gold“ verlieh.

Franziska Weber



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