Wie viel sollte Honig kosten?

27. Januar 2020

Für Berufsimker muss der Honigpreis mindestens die Betriebskosten abdecken. Aber wie viel sollte Honig genau kosten? Wie auch Freizeitimker eine kostenorientierte Preisbildung für Honig vornehmen können, beschreibt die Ökotrophologin Prof. Dr. Margot Dasbach.

Die allermeisten Imker in Deutschland sind Freizeitimker. Sie imkern aus Freude am Umgang mit den Bienen und haben kein Gewinnerzielungsinteresse. In den ersten Jahren und bei einer geringen Völkerzahl sind die Ausgaben für das Hobby höher als die Einnahmen aus dem Honigverkauf – so wie bei vielen anderen Hobbys auch. Dennoch will der Freizeitimker mit dem Verkauf des Honigs eine Anerkennung für seinen zeitlichen und finanziellen Aufwand erhalten. Wer bei der Preisbildung auch die Kosten miteinbeziehen möchte, geht wie im Folgenden beschrieben vor.

Wie viel sollte Honig kosten? Schritt 1

In der Betriebswirtschaft ist es üblich, zwischen fixen und variablen Kosten zu unterscheiden. Fixkosten fallen für Gebrauchsgüter an, die über mehrere Jahre genutzt werden können, sowie für Gebühren, Literatur und Sonstiges. Variable Kosten fallen für Verbrauchsgüter wie Rähmchen und Honiggläser an. Für den Freizeitimker ist es zudem sinnvoll, zwischen den Kosten für die Bienenhaltung und den Kosten für die Honigerzeugung zu unterscheiden. Auch bei der aufgewendeten Arbeit sollte zwischen der Arbeit für die Bienenhaltung und der Arbeit für die Honigerzeugung unterschieden werden.

Ausgabe 3/2020

Titelbild Deutsches Bienen-Journal 3/2020

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Gebrauchsgüter für die Bienenhaltung sind Bienenvölker, Beuten, Schutzkleidung, Bienenhaus, Wachsschmelzer und weitere Kleingeräte. Die Investitionskosten liegen je nach Ausstattung im Bereich zwischen einigen Hundert und einigen Tausend Euro. Die Nutzungsdauer beträgt einige wenige oder – bei pfleglicher Behandlung – bis zu 20 Jahre. Der Freizeitimker kann daraus für jedes einzelne Gut die Abschreibungen pro Jahr errechnen, indem er die Investitionen durch die Anzahl der Nutzungsjahre dividiert.

Ebenso ist mit den Gebrauchsgütern für die Honigerzeugung zu verfahren. Neben den unverzichtbaren Geräten Honigschleuder, Entdeckelungsgerät, Honigsieb, Abfülleimer und Waage wird je nach Professionalisierungsgrad in Transportkarre, Transporthänger, Honigschleuderraum, Honigrührgerät, Honigpumpe und Abfüllmaschine investiert. Die Investitionssummen liegen wiederum zwischen einigen Hundert und einigen Tausend Euro, die Nutzungsdauer beträgt mindestens fünf Jahre, bei pfleglicher Behandlung bis zu 20 Jahre. Der Freizeitimker kann sich daraus die Abschreibungen pro Jahr errechnen.

Verbrauchsgüter für die Bienenhaltung sind Rähmchen, Mittelwände, Beutenfarben, Pinsel, Varroazide, Rauchkräuter, Beutenkleinteile sowie Bienenköniginnen. Diese Kosten fallen jährlich an, pro Volk bis zu 50 Euro pro Jahr. Verbrauchsgüter für die Honigerzeugung sind Winterfutter, Honigeimer, Honiggläser mit Deckeln, Etiketten und Deckeleinlagen sowie Strom und Warmwasser für die Honigernte und -verarbeitung, die ebenfalls jährlich anfallen. Hier sind pro Volk wiederum bis zu 50 Euro zu kalkulieren.

Weitere Kosten fallen in Form von Mitgliedsbeiträgen zum Imkerverein und zur Tierseuchenkasse an, für Futterkranzproben, Gesundheitszeugnisse, Fahrtkosten zu Vereinssitzungen und zum Einkauf von Imkereibedarf, für Weiterbildungen, das Deutsche Bienen-Journal und für Bücher. Die Kosten können unter 100 Euro, aber auch deutlich darüber liegen.

Die Arbeitszeit für die Bienenhaltung im Jahresverlauf ist sehr unterschiedlich. Für eine grobe Kalkulation ist es sinnvoll, die Arbeitszeit pro Volk getrennt zu schätzen. Zeit an den Völkern wird für die Auswinterung und die Frühjahrsdurchsicht, für die wöchentliche Durchsicht während der Saison und für die Einwinterung einschließlich der Varroabehandlung benötigt. Die Arbeitszeit für die Honigerzeugung erstreckt sich auf einige wenige Termine im Jahr: Honigschleuderung, -rühren, -abfüllen, -etikettieren und -verkauf. Auch hier sind Schätzungen für die einzelnen Arbeiten möglich.

Mit welchem Stundenlohn soll die Arbeit eines Freizeitimkers bewertet werden? Manch einer möchte keine Entlohnung (0 Euro/ Stunde); es ist aber auch möglich, wahlweise den Mindestlohn (derzeit 9,19 Euro/Stunde), die Bruttolohnaufwendungen für einzustellendes Personal – wie zum Beispiel die unterste Lohngruppe in der Landwirtschaft (circa 17 Euro/Stunde) – oder den entgangenen Nettolohnertrag im Hauptberuf des Imkers (etwa zwischen 8 und 50 Euro/Stunde) anzusetzen.

Schritt 2: Entscheidung über die honigpreisrelevanten Faktoren

Im zweiten Schritt ist zu bestimmen, welche der zuvor ermittelten Kostenpositionen in den Honigpreis einfließen sollen. Für den Freizeitimker lautet die zentrale Frage: „Wo endet das Hobby, wo beginnt die Arbeit?“ Es kommt also darauf an zu klären, welche Aufwendungen für das Hobby entlohnt werden sollen. Hier sind mehrere Fallgruppen denkbar:
■ Fall 1: Ein altruistischer Freizeitimker, der seine Bienen aus reiner Freude hält und für den der Honig eher nebenher abfällt, wird sich vielleicht dafür entscheiden, nur die Verbrauchsgüter für die Honigerzeugung auf den Honigpreis umzulegen. Er wird sich nicht um ein spezielles Etikett kümmern und an seiner Haustür nicht auf den Honigverkauf hinweisen.
■ Fall 2: Die Entscheidung des altruistischen Imkers könnte aber auch so ausfallen, dass die Kosten aller Verbrauchsgüter in den Honigpreis einfließen sollen. Die Abschreibungen für Geräte und die sonstigen Kosten trägt der altruistische Imker selbst. Seine Arbeitszeit will er ebenfalls nicht entlohnt haben. Auch in diesem Fall wird der Honig zu einem sehr niedrigen Preis abgegeben.
■ Fall 3: Ein betriebswirtschaftlich orientierter Freizeitimker, für den der Honig wichtiges Ziel der Imkerei ist, wird nicht nur die Verbrauchs-, sondern auch die Gebrauchsgüter und die sonstigen Kosten in den Honigpreis einkalkulieren. In dieser Fallgruppe wird auf die Entlohnung der Arbeit verzichtet, also unentgeltlich gearbeitet.
■ Fall 4: Ein betriebswirtschaftlich scharf kalkulierender Freizeitimker gleicht einem Berufsimker und wird für seine Arbeitszeit einen angemessenen Lohn ansetzen. Jedoch wird er in den Honigpreis keinen Gewinn einkalkulieren, was den Unterschied zu einer Berufsimkerei ausmacht. Eine nach den Fallgruppen unterscheidende Modellrechnung ergibt die in der folgenden Tabelle dargestellten Kosten pro 500-g-Honigglas.

Wie viel sollte Honig kosten?

In dieser Modellrechnung sind die Kosten einer Freizeitimkerei mit fünf Völkern und 30 kg Honigertrag pro Volk und Jahr aufgeführt. Bei der Bewertung der Arbeitszeit wurde der Min- destlohn angesetzt. Die Kosten können je nach Fallgruppe in unterschiedlichem
Umfang auf den Honigpreis umgelegt werden.

Wie viel sollte Honig kosten? Schritt 3: Schlussfolgerungen

Ein Blick auf die Kosten der eigenen Imkerei kann für den altruistischen Freizeitimker hilfreich sein, um einen Einblick zu erhalten, wie viel Geld und Zeit das Hobby verschlingt. Für den betriebswirtschaftlich orientierten Freizeitimker sollten die eigenen Kosten Richtschnur für die Festsetzung seines Honigpreises sein. Zu billig abgegebener Honig erzeugt beim Verbraucher ein Zerrbild vom Wert des Produktes und dem Ausmaß der Arbeit durch den Menschen und die Biene, die darin steckt. Gleichzeitig schadet zu billig abgegebener Honig den Berufsimkern, die auf die Entlohnung ihrer Arbeitszeit nicht verzichten können.

DIE AUTORIN: Prof. Dr. Margot Dasbach ist Professorin für Wirtschaftslehre des Haushalts an der Hochschule Anhalt. Sie setzt sich unter anderem mit der Wirtschaftlichkeit von Imkereien auseinander und leitet die hochschuleigene Lehrimkerei.



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