Bienen in Verteidigung: Das hilft gegen den Bienenstich

28. Juli 2021

Der Stich einer Biene kann unangenehme Folgen haben: Schmerz, Schwellung, Juckreiz. Doch was lindert die Beschwerden, die durch einen Bienenstich verursacht werden? Helfen Hausmittel? Eine Dermatologin gibt Tipps.

Ein Bienenstich ist schmerzhaft, oft schmerzhafter als der einer Wespe. „Das liegt an der deutlich größeren Giftmenge, die eine Biene beim Stechen abgibt“, sagt Dr. Julia Pickert, Fachärztin für Dermatologie am Universitätsklinikum Marburg und Funktionsoberärztin für die Abteilung für Allergologie. Außerdem hat der Bienenstachel einen Widerhaken, der in der Haut steckenbleibt. Die Biene sticht nicht um anzugreifen, sondern ausschließlich zur Verteidigung. Mit dem Stich opfert sie ihr Leben, denn dabei reißt der gesamte Stachelapparat samt Giftblase ab. Für einige Sekunden pumpt er dann weiter Gift in die Einstichstelle. „Deshalb sollte man den Stachel mit allem, was daran hängt, auch so schnell wie möglich entfernen“, rät die Ärztin zur Linderung der Beschwerden.

Ausgabe 10/2021

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So erkennt man eine Allergie gegen den Stich der Bienen

Allergisch oder nicht? Nach einem Bienenstich ist dies die wichtigste Frage, die zählt. Denn sie entscheidet, wie schnell und mit welchen Maßnahmen man reagieren sollte. Zwar ist die körperliche Reaktion in den wenigsten Fällen auf eine Allergie zurückzuführen – nur rund zwei Prozent aller Menschen sind allergisch auf Bienengift. Ist dies allerdings der Fall, kann es schnell gefährlich werden. Betroffene, bei denen die Allergie bekannt ist, sollten immer ein Notfallset dabei haben. Dies beinhaltet ein Antihistaminikum (z.B. in Form von Schmelztabletten), ein Kortison in flüssiger Form und eine Spritze mit Adrenalin, welche bei Kreislaufbeschwerden oder Luftnot zum Einsatz kommen sollte.

Zeigt sich nach dem Stich lediglich eine große lokale Reaktion an der Einstichstelle, liegt keine Allergie sondern eine sogenannte „überschießende Lokalreaktion“ vor. Die Stichstelle wird dann dick und rot und fängt an zu jucken. Das kann eine ganze Hand betreffen oder auch mal den gesamten Arm und im Verlauf zu Schmerzen, Spannungsgefühlen und auch dadurch bedingte Bewegungseinschränkungen führen. „Eine Bienengiftallergie dagegen zeigt sich immer als systemische Reaktion. Sie betrifft also den gesamten Körper“, erklärt Julia Pickert. Ganz konkret kann sich die systemische Reaktion als Nesselsucht, Schwellung von Lippen und Augenlidern (Angioödem), Übelkeit, Erbrechen, Luftnot, Kreislaufproblemen oder im schlimmsten Falle mit einem Herz-Kreislaufstillstand äußern. „Diese Reaktionen treten in engem zeitlichen Zusammenhang zu dem Stich auf, in der Regel gilt ein Zeitfenster von wenigen Minuten bis zwei Stunden“, sagt die Dermatologin.

Körper an das Gift der Bienen gewöhnen: Folgen der Bienenstiche vorbeugen

Allergische Reaktionen sollten ärztlich abgeklärt werden. Im Akutfall helfen die Medikamente des Notfallsets und in schweren Fällen der alarmierte Notarzt. Wer trotz Bienengiftallergie dagegen langfristig geschützt sein möchte, hat die besten Chancen durch eine sogenannte Hyposensibilisierung. Dabei bekommt der Patient das Bienengift in einer genau abgestimmten Menge über mehrere Sitzungen und für eine Therapiedauer von fünf Jahren gespritzt. „Der Körper gewöhnt sich quasi an das Gift“, sagt Julia Pickert. Eine Hyposensibilisierung hat der Dermatologin zufolge eine Erfolgsquote von 90 bis 95 Prozent, „der Erfolg kann durch Stichprovokationen mit lebenden Bienen in Allergiezentren kontrolliert werden“.

Da Imker durch ihren ständigen Kontakt zu den Bienen statistisch gesehen auch öfter gestochen werden als Nicht-Imker, leiden sie entsprechend häufiger an einer Bienengiftallergie. Sie unterziehen sich oft einer Hyposensibilisierung, um die Imkerei fortsetzen zu können.

Julia Pickert berichtet aber auch über Einzelfälle, bei denen Imker mit Bienengiftallergie darauf setzten, sich über das Jahr durch Stiche beim Imkern selbst zu hyposensibilisieren. „Sie reagieren zum Saisonstart noch stark und bei Folgestichen immer weniger, denn auch viele „echte“ Stiche können den Gewöhnungseffekt auslösen“, sagt sie. Doch das sei extrem gefährlich und kann im schlimmsten Falle tödlich enden. Wenn Imker wissen, dass sie allergisch auf Bienengift reagieren oder auch nur einen Verdacht haben, sollte eine allergologische Abklärung erfolgen, ein Notfallset vorhanden sein und eine ärztlich überwachte Hyposensibilisierung durchgeführt werden. Solange kein Schutz besteht, empfiehlt die Ärztin die Imkerei nicht fortzuführen, da das Stichrisiko deutlich erhöht ist.

Bienenstich mit Hausmitteln behandeln


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Anders sieht es bei lokalen Schwellungen aus, die etwa 25 Prozent aller Menschen bei Bienenstichen bekommen. Hier helfen kortisonhaltige Salben. Sie sind ab einer bestimmten Stärke allerdings verschreibungspflichtig. Alternativ lindern Hausmittel wie frische Zwiebelscheiben, Essigwasser oder ein kalter Löffel die Reizung und Schwellung. „Zur Wirksamkeit der Hausmittel gibt es allerdings keine medizinischen Studien“, sagt Julia Pickert. Die Hausmittel wirken zudem nicht speziell gegen Bienenstiche, sondern sind generelle Tipps gegen Insektenstiche. „Als Hausmittel wird vieles genutzt, das kühlt und/oder desinfiziert und entzündungshemmend wirkt“, sagt die Dermatologin. Zudem schwören einige Patienten auf die Einnahme von Calcium-Brausetabletten gegen den Juckreiz.

Des Weiteren gibt es noch sogenannte Stichheiler wie den Bite Away. Das sind kleine Geräte, die Wärme erzeugen. Sie sollen den Schmerz lindern und die Schwellung verhindern. Sie haben eine Metallspitze, die man direkt auf die Einstichstelle drückt. „Hierzu gibt es schon Studien, die zeigen dass durch die „Thermotherapie“ der Juckreiz deutlich gelindert werden kann, vermutlich durch den gezielten Gegenreiz und den Hitzeschock, woraufhin weniger Juckreiz fördernde Stoffe wie Histamin ausgeschüttet werden“, sagt Pickert. Bei Temperaturen über 50 Grad Celsius zerfallen die Eiweiß-Moleküle des Bienengifts und das Gift kann weniger wirken – und auch weniger Probleme bereiten. Statt einem speziellen Gerät könnte man zwar auch einen heißen Löffel verwenden, dieser lässt sich aber weniger präzise temperieren und applizieren.

Nach dem Bienenstich: Kühlen und Desinfizieren

Nach der ersten Behandlung mit Wärme ist es dann aber dennoch oft angenehm, den Stich zu kühlen. Außerdem sollte man die Einstichstelle desinfizieren.

Gegen reine Lokalreaktionen nach Insektenstichen könnten also verschiedene Hausmittel helfen. Man sollte jedoch immer wissen, dass bei einer tatsächlich allergischen Reaktion eine ärztliche Behandlung unerlässlich ist.

jtw

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