Bienenwachs kaufen: Mittelwände nur mit Wachsanalyse

03. Dezember 2020

Wenn Imker keinen eigenen Wachskreislauf pflegen, müssen sie Mittelwände aus Bienenwachs kaufen. Dabei gibt es große Unterschiede. Herkunft, Rückstände und Wachsqualität bestimmen den Preis.

Wer Bienenwachs in Form von Mittelwänden kaufen möchte, stößt im Fach- und Onlinehandel auf verschiedenste Einteilungen und Begriffe wie „rückstandsarm“, „rückstandsfrei“ oder „bio“. Auch wenn dies so anmutet, ist es bei Bienenwachs schwer daraus greifbare Qualitätsunterschiede zu erkennen. Die Kategorien sind von den Anbietern individuell festgelegt – Richtlinien oder Grenzwerte für die versprochene Rückstandsfreiheit gibt es nicht. So bezahlen Imker auch recht unterschiedliche Preise zwischen 15 bis 30 Euro pro Kilogramm Bienenwachs. Doch was bestimmt die Qualität beim Bienenwachs kaufen?

„Da Bienenwachs kein Lebensmittel ist, gelten die dort üblichen Grenzwerte oder Bestimmungen nicht. Dementsprechend sind Begriffe wie rückstandsarm oder pestizidarm auch nicht geregelt und haben auch keinen Bezugspunkt oder Schwellenwert, ab dem man diese Begriffe anwenden dürfte“, erklärt dazu Dr. Klaus Wallner vom Bieneninstitut an der Universität Hohenheim. Auch die Bezeichnung „bio“ könne es im Zusammenhang mit Bienenwachs nicht geben, weil er für Lebensmittel reserviert sei.

Ausgabe 02/2021

DBJ 2/2021

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Bienenwachs kaufen: „Rückstandsfreie“ Mittelwände gibt es nicht

So liege es in der Verantwortung derjenigen, die mit Wachs handeln, wie sie ihr Wachs bezeichnen. Klarheit gibt dem Käufer von Mittelwänden nur eine Wachsanalyse, die er vor dem Kauf einsehen können muss. Genau mit diesen Analysen setzt sich der Bienenwachsexperte Klaus Wallner täglich auseinander. Seine Erfahrungen zeigen, „dass es die Begriffe rückstandsfrei oder pestizidfrei für Bienenwachs, wie auch für den Großteil unserer Lebensmittel und unser Trinkwasser nicht mehr geben kann, weil die heutigen Analyseverfahren immer irgendeine Substanz nachweisen können.“

Wer beim Bienenwachs kaufen auf Qualität setzt, fordert eine Wachsanalyse. Bislang hat sich dies in der Praxis allerdings noch nicht durchgesetzt. „Das Problem ist, dass der Großteil der Imker, die Mittelwände kaufen, sich offensichtlich hauptsächlich um den Preis kümmern und gar nicht nachfragen, welche Qualität sie denn gerade kaufen“, sagt Klaus Wallner. Würde jeder Imker bei seinem Händler nach Analysenergebnissen fragen, würden sich seiner Meinung nach die Händler routinemäßiger um entsprechende Informationen bemühen.

Missverständnis beim Kauf bei „reinem“ Bienenwachs

Doch auch, wenn Imker konkret nachfragen, müssen sie auf die richtigen Begrifflichkeiten achten. So ist die Frage nach „reinem“ Bienenwachs eventuell schon falsch zu verstehen. „Das könnte nämlich auch von Schwebstoffen gereinigtes Bienenwachs für die Kerzenproduktion sein“, sagt Wallner. Imker sollte stattdessen sowohl nach „garantiert unverfälschtem Wachs“ fragen und anschließend nach der Chargennummer und den dazugehörigen Analyseergebnissen.

Mittelwände aus Bienenwachs kaufen
Mittelwände besser nur kaufen, wenn der Händler eine Wachsanalyse vorlegt. Foto: Silke Beckedorf

Bienenwachsanalysen sind für die Anbieter von Mittelwänden zwar auch heute noch keine Pflicht. Allerdings hat sich den Erfahrungen des Wachsexperten zufolge im Laufe der letzten Jahre vieles verbessert. Durch ihre minderwertige Qualität sind bislang vor allem Mittelwände aufgefallen, die etwa auf ebay angeboten werden. Hierbei sollte man vorsichtig sein und auf den Fachhandel setzen.

Als Ursachen für Rückstände im Bienenwachs kommen sowohl Pflanzenschutzmittel als auch Varroabehandlungsmittel und verschiedenste andere Einflüsse aus der Umwelt in Frage. Das zeigt sich auch in den Analysen. Eine umfassende Wachsanalyse kostet beispielsweise bei der Uni Hohenheim 150 Euro. Sie enthält auch Angaben dazu, ob eventuell gefundene Rückstände drohen in den Honig überzugehen.

jtw

INFO: So kaufen Imker Mittelwände

Eine Umfrage des Deutschen Bienen-Journals aus dem Jahr 2017 zeigte, dass 57 Prozent der Imker einen eigenen Wachskreislauf pflegen. Von denjenigen, die Bienenwachs in Form von Mittelwänden kaufen, gab fast die Hälfte an, dabei Standardware zu kaufen. 46 Prozent der Imker gab an, auf besonders ausgelobte Ware, also angegebene Kategorien zu achten. Dabei achtete etwas mehr als die Hälfte nicht auf beigelegte Zertifikate. Zwölf Prozent greifen zu Mittelwänden aus Wachs von Bioimkereien. Mehrfachantworten zeigten, dass einige Imker unterschiedlich ausgelobte Mittelwände kaufen.
Beim Einkauf achten 25 Prozent der Teilnehmer auf den Preis. Knapp 20 Prozent setzten auf die Empfehlungen von Imkerkollegen.

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