Steuern in der Imkerei

24. Februar 2021

In der Imkerei gelten steuerliche Sonderregeln. Hobbyimker haben Vorteile bei der Einkommensteuer. Doch Vorsicht: Das Steuerrecht hat auch Stolperfallen für Imker parat – zum Beispiel bei der Umsatzsteuer. Steuern in der Imkerei – das ist zu beachten.

Einkommensteuer für Imker

Die große Mehrheit der Imker in Deutschland hält Bienen als Hobby oder im Nebenerwerb. Genau dafür gelten steuerliche Besonderheiten bzw. kann das Finanzamt eine Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen akzeptieren. Diese Sätze greifen sowohl für Imker mit weniger als 30 Bienenvölkern, als auch für diejenigen, die weniger als 70 Bienenvölker halten und damit schon eine ordentliche Menge an Honig produzieren – definitiv mehr als man selbst verzehrt. So hat der Gesetzgeber festgelegt, dass bei der Besteuerung von Einkünften aus dem Honigverkauf und beim Verkauf von anderen Produkten aus der Imkerei Pauschalen gelten.

Die aktuellen Regelungen gelten seit dem Steuerjahr 2016. Sie legen folgendes fest: Imker mit höchstens 30 Bienenvölkern müssen keinen Gewinn versteuern, wer bis zu 70 Völker besitzt, darf pauschal 1.000 Euro als Gewinn angeben und muss nur darauf Steuern bezahlen. Anders herum ausgedrückt bedeuten die Regelungen: Ab 31 Völkern wird dem sonstigen Einkommen ein pauschaler Gewinn von 1.000 Euro zugerechnet und ab 71 Völkern wird die reguläre Einkommensteuer fällig. Gezählt werden allerdings nur Wirtschaftsvölker, deren Honig man erntet, keine Ableger. Festgelegt sind diese sogenannten „Grenzen und Gewinne der Sondernutzung“ in §13a Absatz 6 des Einkommensteuergesetzes.

Imkerei und Steuern: Gewinne in der Steuererklärung?

Ausgabe 08/2021

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Dabei ist es nicht relevant, ob ein Imker den Honig mit oder ohne Rechnung verkauft. Wer weniger als 30 Bienenvölker hat, muss deshalb auch nicht zwingend Angaben zu den Gewinnen in der Steuererklärung machen. Ratsam ist es trotzdem, Aufzeichnungen über Einnahmen und Ausgaben zu führen, auch wenn diese nur der eigenen Abrechnung dienen.

Wer seinen Gewinn aus dem Honigverkauf allerdings nicht versteuert und die Grenze von 30 Bienenvölkern nutzt, kann auch keine Ausgaben steuerlich geltend machen. Gleiches gilt für die Pauschalsteuer auf 70 Bienenvölker. Wer mehr als 30 und weniger als 70 Völker hat, kann zwischen der pauschalen Angabe von 1.000 Euro als Gewinn und der normalen Abrechnung aller Einnahmen und Ausgaben wählen. Die Angaben gehören in die Abteilung „Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft“, denn rein einkommensteuerrechtlich ist jeder Imker Landwirt.

Steuerliche Liebhaberei
Die Imkerei wird steuerlich oftmals als sogenannte „Liebhaberei“ bezeichnet. Diese liegt immer dann vor, wenn der Imker keinen Gewinn macht. Das muss er auf Nachfrage des Finanzamtes über eine Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben belegen. Schon bei unter 30 Bienenvölkern erntet ein Imker allerdings schon viel Honig, der zu Gewinnen führen kann. Statt stillschweigend von einer Liebhaberei auszugehen, sollte in solchen Fällen die Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen erfolgen. Auch hier muss auf Nachfrage dem Finanzamt eine Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben vorgelegt werden.

Umsatzsteuer für Imker

Um einiges mehr zu beachten haben Imker bei der Umsatzsteuer. Hier greift allerdings nicht die Unterscheidung 30 Bienenvölker oder mehr. Stattdessen steht die Frage im Mittelpunkt, ob ein Imker aufgrund unternehmerischer Tätigkeiten umsatzsteuerpflichtig ist oder nicht. Und wenn ja, ob er die Kleinunternehmerregelung nach §19 des Umsatzsteuergesetzes nutzen kann und ob dies Sinn macht. Wer angestellt arbeitet und nur wenige Bienenvölker hält, hat mit der Umsatzsteuer also meist nichts zu tun.

Imkerei und Steuern: Umsatzsteuerpflicht oder nicht?

Ohne eine Umsatzsteuerpflicht entfällt die Pflicht, eine Umsatzsteuererklärung beim Finanzamt abzugeben. Die sogenannte Kleinunternehmerregel nach §19 des Umsatzsteuergesetzes greift, wenn der Gesamtumsatz eines Unternehmers 22.000 Euro im Jahr nicht übersteigt. Nutzt man diese Option, entfällt neben der Pflicht zur Umsatzsteuererklärung allerdings auch die Möglichkeit, die sogenannte Vorsteuer abzusetzen. Das ist die Mehrwertsteuer bei Rechnungen, die man selbst bezahlt und von der Umsatzsteuer abziehen kann, die man an das Finanzamt weitergeben muss.

Wichtig hierbei: „Man kann nur einmal Unternehmer sein“, sagt Steuerberaterin Ursula Kutscher aus Overath. Sie berät unter anderem Landwirte im Nebenerwerb und erlebt seit ein paar Jahren eine steigende Zahl von Anfragen von Imkern.

Unternehmerisch tätig ist ein Imker demnach auch dann, wenn er im Hauptberuf selbstständig arbeitet und hierbei umsatzsteuerpflichtig ist, wenn er eine Solaranlage auf dem Dach hat und damit umsatzsteuerpflichtigen Gewinn macht oder wenn er Produkte im großen Maßstab dazukauft, die er im Rahmen der Imkerei weiterveräußert wie Salben oder Bonbons mit Honig. Bei Letztgenanntem muss der unternehmerisch tätige Imker (siehe Kasten) auch eine Gewerbe anmelden.

Als Imker Handelsware verkaufen

Wer als Imker Produkte der zweiten Verarbeitungstufe (Honig-Fruchtmischungen, Kerzen etc.) oder Handelsware verkauft, bleibt mit diesen Produkten nur unter folgenden Voraussetzungen in der steuerlichen Landwirtschaft:

1. Wenn die Umsätze hiermit nicht über 1/3 seiner Gesamtumsätze als Imker/Landwirt liegen,
2. wenn die Umsätze hiermit nicht 51.500 Euro pro Jahr überschreiten oder
3. wenn der Verkaufserlös solcher Ware nicht mehr als 4.000 Euro pro Jahr beträgt.

Treffen die ersten beiden Punkte zu, ist der Imker mit seiner Imkerei „Unternehmer“ und kein „Landwirt“ mehr. Dann greift eine reguläre Umsatzsteuerpflicht mit den Regelsteuersätzen von sieben bzw. 19 Prozent, auch für Honig etc. Trifft nur der dritte Punkt zu, muss der Imker nur bei verarbeiteten Produkten und Handelsware Regelsteuersätze anwenden, Honig und andere Produkte der ersten Verarbeitungsstufe können weiterhin mit einer pauschalen Umsatzsteuer von 10,7 Prozent ausgewiesen werden. Trifft keiner der Punkte zu, kann er auf alle Produkte, die er verkauft, eine Umsatzsteuer von 10,7 Prozent ausweisen. Er muss diese pauschale Umsatzsteuer nicht ans Finanzamt abführen oder in der Steuererklärung angeben

Ursula Kutscher nennt ein Beispiel, das verdeutlicht, wie gerechnet werden muss, wenn ein Imker dagegen der Umsatzsteuerpflicht unterliegt: „Wenn jemand bislang als Kleinunternehmer tätig war beispielsweise mit einem Nagelstudio und einen Umsatz von 15.000 Euro erzielt hat und jetzt durch die Hobbyimkerei einen Umsatz von 10.000 Euro hinzukommen würde, läge er damit über der Kleinstunternehmergrenze und müsste Umsatzsteuer ausweisen. Das gilt dann sowohl für das Nagelstudio als auch für die Imkerei.“ Alle Umsätze pro Unternehmer werden immer zusammengezählt.

Als Tipp und Alternative nennt sie, dass man einen Imkereibetrieb zusammen mit einem Partner als GbR und damit als gesondertes Unternehmen führen könnte. Damit müsste man die Umsätze nicht zusammenzählen.

Umsatzsteuer: Was gilt für Unternehmer in der Imkerei?

Greift eine Umsatzsteuerpflicht oder möchte ein unternehmerisch tätiger Imker keine Kleinunternehmerregel nutzen, muss er auf Rechnungen auch die Umsatzsteuer ausweisen.

Wer Gewinne aus der Imkerei regulär versteuert, kann dann aber auch Verluste bzw. Ausgaben regulär von den Gewinnen abziehen und steuerlich geltend machen. Insgesamt ist es wichtig bei den Steuern in der Imkerei den Unterschied zwischen der Einkommensteuer und der Umsatzsteuer nicht zu vermischen. „Die Einkommensteuer ist eine Ertragssteuer und zielt auf die Gewinne ab“, erklärt Steuerberaterin Ursula Kutscher. Die Umsatzsteuer ist eine Verkehrssteuer und wird sozusagen durchgeschleust im Kauf- und Verkaufsprozess. Sie greift in vielen Fällen der Imkerei überhaupt nicht.

jtw

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