Teilen und behandeln: Acht weitere Fallstricke (und wie man sie vermeidet)

06. August 2020

Mit diesem Verfahren halten Sie Varroen im Schach und betreiben überdies Völkervermehrung. Für die letzten Schritte beim Teilen und behandeln haben Pia Aumeier und Malte Frerick acht weitere mögliche Fehler ausgemacht.

1. Fehler: Nachschaffungszellen zerstört

Direkt nach der Behandlung des Fluglings kann der Imker für drei bis maximal vier Wochen in den Urlaub fahren. Im Brutling ist solange nichts zu tun. Die Bienen ziehen eine Königin nach, diese macht den Hochzeitsflug. Für ausreichend Futter in dieser Zeitspanne hat der Imker vorab gesorgt. Wer trotzdem zwischendurch gucken will, zum Beispiel um das Futter oder die Nachschaffungszellen zu kontrollieren, sollte die Waben sehr vorsichtig ziehen und nicht schütteln. Nachschaffungszellen sind erschütterungsempfindlich.

Ausgabe 10/2020

dbj20_10_Titel

Top-Themen:

  • Auf dem Weg zum Wachsstandard?
  • Amerikanische Faulbrut
  • Milben zählen per App
  • Jungvölker überwintern

>> zur aktuellen Ausgabe

Teilen und behandeln: Fehler der letzten Schritte

2. Fehler: Königin beim Hochzeitsflug gestört

Bei passendem Wetter macht die Jungkönigin im Brutling in den Tagen X+18 bis X+25 ihren Hochzeitsflug. Wer dann in der Zeit von 10 bis 15 Uhr als neue Fluglochbarrikade vor dem Volk herumsteht, irritiert die Jungkönigin bei der Heimkehr. Daher sollte man besser am Abend nach den Völkern schauen.  

3. Fehler: Sich nicht an den Zeitplan gehalten

Wer zu früh oder zu spät kommt, kann die Altwaben nicht sorgenfrei entnehmen und keine gut wirksame Oxalsäurebehandlung durchführen.  

4. Fehler: Imker zu langsam

Nach X+21 bis X+28 wird die brutfreie Phase beim Brutling genutzt, um alle unangenehmen Waben – das heißt mindestens die dunklen – zu entfernen. Je nach Starttermin fällt diese Tätigkeit im Zeitraum Mitte August bis Mitte September an, also in der Räubereizeit. Stellen Sie vorab alles notwenige Material bereit. Arbeiten Sie möglichst rasch. Fegen sie nicht mühselig, sondern schlagen Sie die Bienen von den Waben zügig ab. Wenn Sie auf den Waben noch keine Stifte sehen, suchen Sie zunächst nicht nach der Jungkönigin. Sind mehrere Brutlinge am gleichen Stand einzuengen, machen Sie eine eintägige Pause, sobald Räuberei ausbricht. 

Teilen und behandeln: Fehler der letzten Schritte

5. Fehler: Ungünstige Behandlungskonditionen gewählt

Führen Sie die Oxalsäurebehandlung frühmorgens oder spätabends durch, wenn möglichst viele Bienen zuhause sind. Besonders wichtig ist das beim Brutling. Zudem sollten Sie nach dem Einengen des Brutlings etwa 30 Minuten mit der Behandlung warten, denn erst dann sitzen viele Bienen wieder in der Beute und können erfolgreich mit Oxalsäure behandelt werden. Schieben Sie beim Brutling direkt nach der Behandlung eine Windel ein und eruieren so, ob eine Woche später eine erneute Behandlung nötig ist.  

6. Fehler: Anfänglich zu viel gefüttert

Teilen und behandeln
„Teilen und behandeln“ bedeutet: Das Altvolk wird in einen Flugling und in einen Brutling geteilt und in den jeweiligen Phasen der Brutfreiheit mit Oxalsäure behandelt. Foto: Pia Aumeier

Beide Volksteile sollen bis Mitte September über ausreichend Futter, jedoch noch nicht über den gesamten Winterfuttervorrat verfügen. Sind weniger als etwa vier Kilogramm Futter vorhanden, gebe ich je eine Futterportion in jeden Volksteil, jeweils nach der Oxalsäurebehandlung. Insgesamt mehr als drei volle Futterwaben – etwa sechs Kilogramm – sollten es jedoch nie sein, denn sonst kann die Königin nicht brüten, das Volk nicht wachsen.  

7. Fehler: Flugling oder Brutling in den ersten sechs Wochen nach der Teilung mit Ameisensäure behandelt

Wer teilt und behandelt, kann in den meisten Fällen komplett auf Ameisensäure zur Spätsommerpflege verzichten. In Einzelfällen ist Ende September eine Behandlung ratsam, siehe Punkt 24. Wer jedoch die Volksteile in ihrer aufsteigenden Entwicklung bis Mitte September einer Ameisensäurebehandlung unterzieht, schädigt sie nachhaltig. 

8. Fehler: Auf die übliche Gemülldiagnose Ende September verzichtet

Ende September informiere ich mich per Gemülldiagnose nochmals in allen Völkern über den aktuellen Varroabefall – und reagiere, wenn nötig. In Einzelfällen weisen Flugling oder Brutling selbst nach korrekter Oxalsäurebehandlung bei Teilen und behandeln Ende September wieder Milbenzahlen von deutlich über fünf pro Tag auf. Diese Völker müssen jetzt nochmals entmilbt werden.  

Dr. Pia Aumeier, Malte Frerick 

Weitere Tipps und Infos zu diesem Thema finden Sie auch auf unserem YouTube-Kanal>>

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Mit unserem Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand.

Fachinformationen

Mit dem Bienen-Journal bleiben Sie immer auf dem neusten Stand. Auch Imker mit langjähriger Berufserfahrung kommen auf Ihre Kosten.

Grundlagen

Wichtig für uns ist es, neben den Fachinformationen, Grundlagen zu vermitteln, die für die Imkerei von essenzieller Bedeutung sind.

Einsteiger

Auch Imker-Neulinge kommen nicht zu kurz! Sie wollen mit dem Imkern anfangen? Das dbj ermöglicht es Ihnen tief in die Welt der Bienen einzutauchen.

Abonnieren →


Themen: