Teilen und behandeln Teil 1: 16 Fehler (und wie man sie vermeidet)

25. Juni 2020

„Teilen und behandeln“ ist eine Methode, um Varroen in den Bienenvölkern zu bekämpfen. Für die ersten Schritte des Verfahrens haben wir 16 typische Fehler zusammengetragen und zeigen, wie man sie vermeidet.

1. Fehler: Keine Gemülldiagnose durchgeführt

Maximal fünf von 100 Wirtschaftsvölkern weisen bereits Ende Juli mehr als 30 Milben pro Tag an natürlichem Milbentotenfall auf. Sie sollten zeitnah mit Ameisensäure behandelt werden. Beim Teilen und behandeln kann es sonst passieren, dass der Brutling bei hoher Varroabelastung innerhalb von drei Wochen ohne Behandlung zusammenbricht.

2. Fehler: Gemüllwindel zu spät eingeschoben

Verbinden Sie das Einlegen der Gemüllwindel mit dem Einschieben der Bienenflucht vor der Honigernte und lesen Sie den Varroabefall aus, wenn der ausgeschleuderte Honigraum nach drei Tagen wieder zurück auf das Volk kommt. Wird die Windel erst zu diesem Zeitpunkt eingeschoben, finden sich auf ihr lauter abgeschrotete Wachsteilchen. Das Auslesen des Befalls wird so unmöglich gemacht.

Ausgabe 7/2020

DBJ Juli 2020 Titel

Top-Themen:

  • Fahrradimker
  • Umsatzsteuer für Imker
  • Imkerei in Georgien

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Teilen und behandeln: Gutes Timing verhindert Fehler

3. Fehler: Altvolk zu spät zurückgestellt

Damit sich der Flugling gut füllt, müssen die Bienen ihren Stellplatz kennen. Wer seine Völker bewegt, sollte beachten, dass das Altvolk mindestens eine Woche am Platz stehen sollte, bevor mit dem Teilen und behandeln begonnen wird. Andernfalls bildet sich kein starker Flugling.

4. Fehler: Zu schwaches Altvolk geteilt

Sind Wirtschaftsvölker bereits durch ein sehr starkes Schröpfen oder einen versehentlichen Schwarmabgang geschwächt, kämpfen die Volksteile auch mit geringer Stärke und postwendend mit Räuberei. 

5. Fehler: Zu spät gestartet

Mit dem Teilen der Völker sollte spätestens bis Mitte August begonnen werden. Bei später geteilten Völkern ist der Begattungserfolg der im Brutling nachgezogenen Königinnen nicht mehr zufriedenstellend. Auch bleibt weniger Zeit für den Aufbau ausreichend starker Völker. Wer nach Mitte August teilt, profitiert allerdings noch von allen anderen Vorteilen des Teilens und behandelns. Der Brutling sollte bei später Teilung jedoch besser bei Brutfreiheit behandelt und direkt wieder mit dem Flugling vereinigt werden.

6. Fehler: Bei schlechtem Wetter gestartet

Damit alle Flugbienen nach der Teilung des Volkes vom Brutling in den Flugling abfliegen können, sollte am Tag der Teilung – und auch am folgenden Tag – Flugwetter herrschen.

7. Fehler: Flugling mit honigfeuchten Waben gebildet

Nachdem der Honigraum ausgeschleudert und wieder auf das Wirtschaftsvolk aufgesetzt wurde, muss man mindestens einen bis drei Tage warten, bevor mit dem Verfahren Teilen und behandeln gestartet werden kann. Sonst kann am mit honigfeuchten Waben bestückten Flugling Räuberei ausbrechen.

„Teilen und behandeln“ bedeutet: Das Altvolk wird in einen Flugling und in einen Brutling geteilt und in den jeweiligen Phasen der Brutfreiheit mit Oxalsäure behandelt. Foto: Malte Frerick

8. Fehler: Flugling oder Brutling ausschließlich mit Mittelwänden gebildet

Als vorbeugende Maßnahme gegen die Amerikanische Faulbrut kann es sinnvoll sein, alle Waben eines Bienenvolkes zu ersetzen. Die Brutfreimachung durch Teilen und behandeln kann dazu genutzt werden. Beachten Sie jedoch, dass sich auf reinen Mittelwänden kein schöner Flugling bildet. Mindestens 4.000 Bienen müssen dann von zwei gut besetzten Waben direkt in die Fluglingszarge abgeschüttelt werden. Die elegantere Alternative ist, mindestens drei ausgebaute helle Waben aus unbedenklichen Beständen mittig in die Fluglingszarge zu hängen.

Teilen und behandeln: Mögliche Fehler beim Aufstellen

9. Fehler: Brutling direkt neben Flugling gestellt

Wenn der Brutling direkt neben dem Flugling steht, kehren die Flugbienen lieber in das größere Volk ein – und damit in den Brutling. Wer den Flugling in den ersten Tagen mit Leerzargen erhöht oder den Brutling direkt auf den Flugling platziert, beugt dem vor. Am einfachsten stellt man den Brutling in mindestens fünf Metern Entfernung auf.

10. Fehler: Brutling mit altem Boden bestückt

Die Flugbienen müssen ihren Boden wiedererkennen können. Ein Flugling mit neuem Boden bildet sich nicht gut. Belassen Sie den alten Boden daher beim Flugling und geben Sie dem Brutling einen neuen.

11. Fehler beim Teilen und Behandeln: Zwischenboden genutzt

Nicht schlimm, aber unnütz sind Zwischenböden oder andere Spezialkonstruktionen für nur eine kurzzeitige Nutzung. Die weitaus meisten Teilvölker sind im Oktober ausreichend stark und benötigen dann sowieso einen normalen Boden. Wenig Firlefanz bedeutet einfaches Imkern.

12. Fehler: Königin ohne Ausfresskäfig zugesetzt

Beim Verfahren Teilen und behandeln muss die Altkönigin gefunden werden. Normalerweise kommt sie in den Flugling. Alternativ kann sie auch direkt getötet und durch eine Jungkönigin ersetzt werden. Ratsam ist es, die Königin in einem Ausfresskäfig mit etwas Futterteig (oder Marshmallow) und einem freigegebenen Zugang in den Flugling zu setzen. Sie einfach so in die Fluglingszarge laufen zu lassen, funktioniert zwar oft. In etwa einem von zehn Fällen fanden wir die Königin jedoch kurz darauf hilfesuchend vor dem Flugloch wieder, wo sie offenbar nach ihrer Belegschaft fahndete.

13. Fehler: Direkt flüssig gefüttert

Wer schon bei der Bildung von Flugling und Brutling flüssig füttert, kann Räuberei am Bienenstand auslösen. Bestücken Sie den Flugling daher mit einer Futterwabe und sorgen Sie dafür, dass der Brutling in den Randwaben ein paar Kilogramm Futter aufweist. Nach der ersten Oxalsäurebehandlung können die Volksteile dann flüssig gefüttert werden.

14. Fehler: Brutling verhungert

In seltenen Fällen ist in den zwei Bruträumen bei der Teilung das Futter knapp. Daher sollte man kontrollieren: Sind nicht mindestens vier Kilogramm auf den Deckwaben vorhanden, muss man das Futter ergänzen, am besten mit einer Futterwabe oder Honigwabe.

15. Fehler: Fluglöcher nicht eingeengt

Da dem Brutling mit dem Abfliegen der Flugbienen in den Flugling die Fluglochwachen abhandenkommen, muss sein Flugloch unbedingt bis Oktober auf eine Fingerbreite eingeengt werden. Auch das Flugloch des Fluglings sollte am Tag X+2 bis auf wenige Zentimeter verschlossen werden. Das beugt Räuberei vor.

16. Fehler: Windeln nicht eingeschoben

Wenn man den Brutling direkt auf den Flugling stellt, lagern manchmal verwirrte Flugbienen unter den offenen Gitterböden. Daher sollte man die Böden beider Volksteile für eine Woche mit einer Windel veschließen. Besonders beim Brutling beugt dies ebenfalls der Räuberei vor.

Dr. Pia Aumeier, Malte Frerick

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