Imkern im Juni: Schwarmzeit auf Hochtouren

22. Mai 2020

Im Juni ist Schwarmzeit. Mit den richtigen Maßnahmen kann man verhindern, dass sich die Bienenvölker unkontrolliert teilen. Sie brauchen Platz, Luft und etwas zu tun. Außerdem braucht der Frühlingshonig nun Pflege. Das ist beim Imkern im Juni zu tun.

Der Juni ist der Monat der größten Volksentwicklung, aber auch ihr jahreszeitlicher Wendepunkt. Die Trachtverhältnisse haben sich geändert: Vorbei ist die Zeit, in der alle Blüten in voller Pracht zu sehen waren. Die Obstbäume haben nun bereits Früchte angesetzt.

Jetzt sind die wild wachsenden Sträucher und Bäume an der Reihe zu blühen. Das sind in unserer Region insbesondere die Waldhimbeere und die Waldbrombeere sowie viele unscheinbare Kräuter des Waldes. Auch die etwas früher blühenden Kulturhimbeeren und die stachellosen Brombeeren gehören dazu und werden von den Bienen gern beflogen. Ab Mitte Juni beginnen zudem die ersten Linden zu blühen und wechseln sich dann mit den spät blühenden Linden ab, die bis weit in den Juli Tracht für die Völker liefern.

Äußerlich sind die Blüten dieser Trachtpflanzen für das menschliche Auge eher unscheinbar. Die Bienen finden sie trotzdem. Wer seinen Standort dicht am Waldrand hat, braucht eigentlich nicht zu wandern, denn die Tracht ist durchweg üppig, wenn das Wetter mitspielt.

Imkern im Juni: Vorsicht Trachtpause

Ausgabe 8/2020

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Top-Themen:

  • Schwerpunkt Heideimkerei
  • Teilen und Behandeln
  • Hornissenschutz

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Aufpassen muss ich regelmäßig auf die hier im Harz auftretende Trachtpause zwischen der Frühtracht, wie Obstblüte, Raps, Ahorn, und der Himbeere. Ein Grund mehr, öfter nach den Bienen zu sehen. Trachtpausen und kühle Witterungsperioden von einer Woche und mehr sind im Harz nicht unüblich: Es gibt kaum ein Jahr, in dem sie nicht auftreten. In den Trachtpausen gibt es für die Völker noch genügend Pollen, aber die Bienen haben immer weniger zu tun. Die Brut ist verdeckelt, der Pollen ist eingelagert und kann nicht verbraucht werden. Ich beobachte die Völker am Flugloch und kontrolliere sie regelmäßig auf Schwarmzellen.

Wichtigste Aufgabe: Schwarmkontrolle im Bienenvolk

Ich schaue meine Völker konsequent jede Woche durch. Dabei kontrolliere ich immer zuerst die auffälligsten der letzten Durchsicht und solche, die Anzeichen von Schwarmtrieb zeigen. Ab Anfang Juni gilt die Beherrschung des Schwarmtriebes als die wichtigste Aufgabe.

Der Raum, den ein Volk in Dadantmaß zur Verfügung hat, ist durch den Brutraum mit neun Dadanträhmchen und dem geteilten Baurahmen in gleicher Größe bestimmt. Wenn das Volk seinen Höhepunkt erreicht hat, sind acht Waben voll bebrütet und eine Wabe dient der Eigenversorgung mit Futter und Pollen. Die Fläche mit auslaufenden Bienen von acht Brutwaben kann eine dreifache Raumgröße füllen. Der notwendige Honigraum wird somit bestimmt. Da ich nur halbhohe Honigräume besitze, benötige ich drei bis vier halbhohe Honigräume, das entspricht zwei Dadant-Brutraumzargen.

Bienenschwärme verhindern: Brutwaben entnehmen

Entscheidend für die Beherrschung des Schwarmtriebes ist die Stimmung im Volk.

Stefan Bormann

Im Volk werden ständig abgehende Flugbienen ersetzt. Darüber hinaus muss ich den Überschuss an Bienen durch die gezielte Entnahme von Brutwaben regulieren. Dazu entnehme ich während der Durchsichten – je nach Beschaffenheit des Volkes nur eine oder im Höchstfall zwei – Waben mit verdeckelter Brut. Den Rest benötigt das Volk für die eigene Reproduktion.

Mit dieser einfachen Maßnahme kann der Schwarmtrieb in der Dadantbeute leicht beherrscht werden, denn die Gabe einer Mittelwand mit einer Fläche von 42,5 x 25,8 cm schafft im Volk mindestens eine Woche Arbeit durch Bauen und Brutpflege. Die Futtersaftdrüsen werden zusätzlich durch den regelmäßig geschnittenen Baurahmen entlastet. Entscheidend für die Beherrschung des Schwarmtriebes ist die Stimmung im Volk.

Raumnot, Luftmangel und fehlende Arbeit: Dann schwärmen die Bienen

Die größten Probleme sind Raumnot, Luftmangel und fehlende Arbeit, sei es durch Mangel an zu bebrütenden Zellen oder durch schlechte Witterung. Setzt jedoch nach einer Schlechtwetterperiode eine Tracht ein, kann der Schwarmtrieb im Bienenvolk gänzlich zum Erliegen kommen – die vorherige regelmäßige Kontrolle der Völker auf Weiselzellen vorausgesetzt. Nur Zellen mit Stiften werden nach solch einer Periode abgetragen, nicht jedoch die bereits verdeckelten. Deshalb können Schwärme fallen, obwohl der eigentliche Schwarmtrieb bereits vorbei ist. Eine regelmäßige Honigentnahme mindert den Schwarmtrieb zusätzlich. So muss Ende Juni auch wieder geerntet werden.

Durch die großen Räume und die schwarmträgen Königinnen lässt sich der Schwarmtrieb gut in den Griff bekommen. Allerdings kann es auch einmal passieren, dass Königinnenableger erstellt werden müssen, sollte ein Volk gar nicht aus dem „Schwarmdusel“ zu bringen sein. Das ist aber die Ausnahme.

Honigpflege: Das ist beim Imkern im Juni zu tun

Die Frühtrachtschleuderung habe ich bereits dreimal gesiebt und anschließend sofort in den doppelwandigen, beheizten Rührbehälter gefüllt, der 220 kg fasst. Danach schäume ich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die Oberfläche ab und impfe mit besonders feincremigem Honig der letzten Saison.

Hat der Honig nach mehrmaligem Rühren über etwa fünf Tage seine feincremige Konsistenz erreicht, wird er sofort in Imkerhoniggläser des Deutschen Imkerbundes abgefüllt. Dazu verwende ich einen Abfüllautomaten mit Drehtisch: So ist die gesamte Ernte an einem Abend in den Gläsern.

Stefan Bormann

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