Naturnah imkern: Tipps für Ein- und Umsteiger

07. Dezember 2020

Sie würden gerne naturnah imkern – möchten aber nicht gleich „das ganze Paket“ kaufen? Hier einige Tipps und Tricks, wie Sie Ihre konventionelle Imkerei schrittweise ökologischer gestalten können.

Tipp 1: Biowachstuch statt Abdeckfolie

Weichmacher im Bienenvolk? Die stinkende Wolke, die Felix Weigand an einem heißen Sommertag beim Öffnen seiner Völker entgegenstieg, war Grund genug, nach Alternativen zu den klassischen Abdeckfolien aus Plastik zu suchen. Heute macht der IT-Fachmann seine Wachstücher selbst.

Hier sein Rezept:

Naturnah Imkern Tipps, Biowachstuch, Foto: Felix Wiegand
Die aufgelegten Wachstücher verhindern, dass die Bienen zwischen Rähmchenoberseiten und Deckel Wachsbrücken anlegen. So lässt sich die Beute für die Durchsicht problemlos öffnen. Foto: Felix Weigand
  • 8 Tücher aus Biobaumwolle oder Bioleinen, etwas kleiner als der Beutendeckel
  • 16–20 Mittelwände
  • 1 alte Auflaufform
  1. Die Tücher auf das Format der Auflaufform falten. Beim Stapeln in der Form mit dem Stoff beginnen, danach immer eine Lage Stoff mit einer Mittelwand abwechseln. Wichtig ist, dass die Tücher komplett von der Mittelwand bedeckt sind. Reicht die Größe nicht aus, einfach eine weitere Mittelwand auf das passende Format zurechtbrechen und die Bruchstücke am Rand verwenden.
  2. Die Auflaufform mit der „Wachstuch-Lasagne“ bei 90 Grad für ca. 30–45 Minuten in den Ofen schieben, bis das Wachs komplett geschmolzen und in die Tücher eingezogen ist. Die Wachstücher anschließend zügig einzeln aus der Auflaufform nehmen, aufklappen und kurz damit wedeln: So erstarrt das Wachs, und die Tücher lassen sich anschließend locker stapeln, bis sie vollständig abgekühlt sind.
  3. Die Wachstücher halten im Schnitt etwa drei Jahre.

TIPP: Die Arbeitsfläche zuvor mit Zeitung oder Backpapier abdecken. Sollte doch mal etwas daneben gehen, lässt sich das kalte Wachs vorsichtig abkratzen.


2. Tipp: Ökowärmeschied selbst bauen

Mit einem Wärmeschied lässt sich der Brutraum an die Größe des Bienenvolkes anpassen. Weil es gut isoliert, unterstützt es wärmebedürftige Ableger und schwach ausgewinterte Völker bei ihrer Entwicklung. Berufsimker Dr. Marc-Wilhelm Kohfink weiß, wie sich eine umweltfreundliche Variante herstellen lässt.

Naturnah Imkern Ökowärmeschied, Foto: Marc-Wilhelm Kohfink
Eine Hartfaserplatte bewahrt das Innenleben des Schieds vor schneller Zerstörung. Foto: Marc-Wilhelm Kohfink

Herkömmliche Wärmeschiede bestehen aus Hartpor oder aus Weichfaserplatten. Erstere sind aus Polystyrol, Letztere werden von den Bienen zernagt. Doch dagegen gibt es Abhilfe.

Anleitung – Ökowärmeschied selbst bauen

  1. Schneiden Sie eine Weichfaserplatte so zu, dass sie sich in ein Leerrähmchen Ihres Standmaßes einklemmen lässt. Alternativ können Sie auch eine Filzmatte oder ein von der Hinterbehandlungsbeute übrig gebliebenes Kissen verwenden.
  2. Nageln oder kleben Sie eine passgenau zugesägte Hartfaserplatte auf die Rähmchen, sodass die Bienen keinen Zugang zu der Holzfaserplatte haben. Im mitunter feuchten Klima der Bienenwohnung kann die Hartfaserplatte im Winter etwas aufquellen. Sie schließt die Weichfaserplatte trotzdem gut ein.
  3. Zeigen sich – nach mehreren Jahren – auch hier die Nagespuren der Bienen, kann das Schied ersetzt oder einfach mit einer neuen Hartfaserplatte benagelt werden.

Naturnah Imkern Beutenanstrich Foto: Xandia Stampe
Unbedenklich: Beutenanstriche sollten keine Zusätze enthalten, die den Bienen schaden oder Rückstände im Honig hinterlassen. Lasuren gibt es in vielen Farbtönen – meist sind zwei Anstriche nötig, um die Beuten vor dem Vergrauen und gegen eindringende Feuchtigkeit zu schützen. Foto: Xandia Stampe

3. Tipp: Ökologischer Beutenanstrich

Damit Holzbeuten im Freien nicht verwittern, benötigen sie einen möglichst haltbaren, aber auch ungiftigen Anstrich – schließlich sollen die Bienen in ihrem Innern gesunde Brut aufziehen und ein hochwertiges Lebensmittel herstellen. Doch nicht überall, wo „bio“ draufsteht, ist auch „bio“ drin. Nicole Saturna weiß, wie man den richtigen Anstrich findet:

Vor dem Kauf von Farben aus 100 Prozent Naturstoffen sollte man sich die Volldeklaration der Inhaltsstoffe anschauen, die man meist nur auf Nachfrage bekommt. Bei Produkten mit dem „Blauen Engel“ wurden oft schlicht sehr bedenkliche Stoffe durch etwas weniger bedenkliche, aber dennoch chemische Stoffe ersetzt. Auch billige Leinölfarbe aus dem Baumarkt enthält sehr viele Zusatzstoffe und ist ungeeignet. In Biobaumärkten wird man fündig.


4. Tipp: Sprühen statt rauchen

Margot Erber verwendet in ihrer Imkerei keinen Rauch, um die Bienen zu beruhigen, sondern sprüht sie mit Wasser ein.

Frau Erber, warum verwenden Sie keinen Smoker mehr?

Margot Erber: Im Bienenhaus, wo ich früher imkerte, war der Rauch für meine Augen und Atemwege unerträglich! Außerdem waren die Bienen meiner Erfahrung nach kaum ruhiger damit. Rauch beruhigt die Bienen nicht, er versetzt sie im Gegenteil in einen Alarmzustand. Wenn es brennt, entsteht auch Rauch, und sobald die Bienen diesen bemerken, beginnen sie, nach offenen Honigzellen zu suchen und sich ihre Honigmägen aus den Vorräten in den Waben zu füllen. Im Spätsommer, wenn fast alle Futterwaben verdeckelt sind, funktioniert es meines Erachtens daher nicht mehr, die Bienen mit Rauch beruhigen zu wollen. Um Ruhe in ein Volk zu bringen, ist meiner Erfahrung nach die eigene Stimmung entscheidend. Bienen spiegeln diese, daher sollte man möglichst nicht aufgeregt an die Völker gehen und genug Zeit mitbringen. Dann bleiben auch die Tiere ruhig.

Wie genau funktioniert die Technik mit dem Ansprühen?

Ich sprühe die Oberträger der Rähmchen mit den ansitzenden Bienen mit Wasser ein, damit diese nach unten gehen. Das mache ich aber nur, wenn ich auf den Brutraum eine Zarge aufsetzen muss, um zu verhindern, dass Bienen dabei gequetscht werden, ansonsten nicht. Ich verwende dafür eine hochwertige Sprühflasche aus 100 Prozent Biokunststoff.

Wie kamen Sie auf die Idee?

Die entstand, als ich an den Völkern eine Behandlung mit effektiven Mikroorganismen ausprobiert habe, die extra für die Bienen zur Stärkung der Abwehrkräfte, besonders nach der Ameisensäurebehandlung, entwickelt wurden. Beim Einsprühen habe ich beobachtet, wie die Bienen brav von der Oberträgern runter in den Brutraum gewandert sind. Danach habe ich beschlossen, während der Bienensaison nur noch Wasser zu verwenden. Wenn es heiß ist, bringt das Wassersprühen sogar Vorteile mit sich: Die Bienen brauchen sowieso Wasser – im Gegensatz zum Rauch, der ein Stressfaktor ist. Zudem gibt es keine Brandgefahr.

Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Saskia Schneider
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Naturnah Imkern: Tipps und Tricks – mehr in der neuen Sonderausgabe

Der Beitrag stammt aus dem neuen dbj-Sonderheft „Naturnah imkern“ – hier gehen wir u.a. Fragen nach wie: Was verändert sich am Imkern, wenn der Honigertrag nicht mehr an erster Stelle steht? Was heißt es, wenn Bienen ihre Waben frei bauen, schwärmen dürfen und auf ihrem eigenen Honig überwintern?

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