Bienenwachs-Analyse: Was Zertifikate aussagen

15. Januar 2021

Wer Mittelwände kauft, erhält dabei immer häufiger auch ein Zertifikat über die Bienenwachs-Analyse, das die Echtheit belegen soll. Doch Vorsicht: Einige Zertifikate sind leere Werbeversprechen. Dabei spielt der Kohlenwasserstoffgehalt eine besondere Rolle. Doch was sagt dieser genau aus?

Ausgabe 10/2021

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„Unser Wachs ist frei von Streckmittel!“ heißt es bei einem Fachhändler. Doch schaut man sich das Zertifikat an, besagt dieses etwas anderes. Inzwischen bieten mehrere Hersteller und Verkäufer von Mittelwänden Analysezertifikate an, die die Echtheit des verwendeten Bienenwachses belegen. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Allerdings trifft man dabei hin und wieder leider auch auf Zertifikate, die die Werbeaussage vom „echten Bienenwachs“ eben nicht unterlegen. 

So aktuell wieder der Fall bei einem Fachhändler in Niedersachsen. Zeigt das Analysezertifikat, dass das Wachs der Mittelwände einen Gesamtkohlenwasserstoffgehalt von 17,9 Prozent aufweist, dann ist das schon ein klares Zeichen dafür, dass das Wachs eben nicht unverfälscht ist. Das gilt auch, wenn das Zertifikat dieses Ergebnis nicht beanstandet!

Es handelt sich dann um eine Analyse von sogenanntem technischen Bienenwachs! Das verwendet man unter anderem für die Herstellung von Kerzen. So ist beispielsweise laut RAL-Norm für Bienenwachskerzen ein Gesamtkohlenwasserstoffgehalt von 18 Prozent erlaubt. Dieses Wachs sollte in der Imkerei jedoch nichts zu suchen haben! 

Bienenwachs-Analyse: Was steht im Analysezertifikat?

Ein Beispiel für ein Analysezertifikat von Bienenwachs.
Ein Beispiel für ein Analysezertifikat von Bienenwachs. Klicken für Vergrößerung Foto: Sebastian Spiewok

Echtes Bienenwachs von europäischen Honigbienenrassen hat in der Regel einen Gesamtkohlenwasserstoffgehalt von höchstens 14,5 Prozent. Vielleicht beträgt er auch mal 15 Prozent – Sonderfälle mal ausgenommen. Liegt der Messwert darüber, kann man davon ausgehen, dass Paraffin im Wachs enthalten ist.

Das Wachs von afrikanischen Honigbienen hat sogar einen noch geringeren Kohlenwasserstoffgehalt. So weist beispielsweise Wachs aus Äthiopien eine Obergrenze von rund elf Prozent auf – und afrikanisches Bienenwachs wird auch gerne nach Deutschland importiert.

Es ist daher besser, wenn die Analyse direkt den Anteil Kohlenwasserstoffe mit geradzahliger Kohlenstoffzahl untersucht. Diese Kohlenwasserstoffe kommen nämlich nur in geringer Zahl im natürlichen Bienenwachs vor. In Paraffinen sind sie hingegen zahlreich enthalten. Auf diese Weise kann ein Paraffinzusatz sehr gut nachgewiesen werden.  

Wachs von asiatischen Bienen: Andere Werte erlaubt

In der wissenschaftlichen Literatur finden sich durchaus auch höhere Kohlenwasserstoffwerte für Bienenwachs. Diese beziehen sich jedoch in der Regel auf Bienenwachs von asiatischen Honigbienen. Die Werte erreichen 20 Prozent und höher. Allerdings wird Wachs asiatischer Honigbienen kaum gehandelt. Somit spielen diese Werte auch keine Rolle für Bienenwachs in unseren Mittelwänden. 

Fazit: Augen auf bei den Zertifikaten! Wurde lediglich der Gesamtkohlenwasserstoffgehalt des Wachses gemessen, sollte dieser unter 15 Prozent liegen. Besser ist noch eine Messung der Kohlenwasserstoffe mit geradzahligen Kohlenstoffatomen. 

spie

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