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Juni - Honigernte und Schleudern

10.06.2014

© Sabine Rübensaat

Rainer Rodenwald benutzt für die Honigernte eine Schleuder mit Handbetrieb. Somit hat er sie immer im Blick und er macht sogar noch den vom Arzt verordneten Sport.

Außenstände lege ich bevorzugt so, dass sie sich nicht direkt neben einem Intensivacker befinden. Rapsfelder blühen in der Elbmarsch überall, aber meine Stände sollten mehr als 100 m davon entfernt sein. Leider wird hier allenthalben gespritzt, manchmal sogar am hellen Tag in die offene Blüte. Da muss ich froh sein, wenn meine Völker gesund aussehen und keine Pestizide im Wachs nachweisbar sind. Ableger füllen nun allmählich meinen separaten Stand für die Jungvölkerbildung, obwohl das im Mai/Juni nur ein Nebeneffekt der Durchsichten ist.
 
Die Honigräume stehen bei mir als drei Halbzargen über dem Absperrgitter. So vermeide ich Brut im Honigraum und vermindere dort den Polleneintrag. Im Mai habe ich leere Räume zum Ausbauen und Füllen unter die bereits weitgehend gefüllten gesetzt. Nach Ende der Frühtracht wird der Honig in einem Block mittig über dem Brutraum konzentriert. Leere Rähmchen kommen an den Rand und nach oben.
 
Platzmangel verspüren die Völker erfahrungsgemäß bereits, wenn etwa 70 % des verfügbaren Raumes besetzt und gefüllt sind. Dann bauen sie in geeigneten Lücken wild. Gebe ich aber einen vierten Honigraum, so wird der Honig über alle Räume verteilt, jedoch zu wenig konzentriert und verdeckelt. Das Geheimnis haushoher Beutentürme bei anderen Imkern hat sich mir noch nicht erschlossen. Mehr Raum bedeutet doch nicht mehr Brut und mehr Honig.
 
Die Honigernte findet hauptsächlich im Juni statt. Gegen Ende der Frühtracht, die bei uns den wichtigsten Ertrag bringt, entnehme ich die vollen Halbrähmchen. Sind sie, allenfalls bis auf einzelne Zellen, voll verdeckelt, muss ich nicht auf trachtlose Zeiten warten. Das ist ein wichtiger Vorteil, denn der Rapshonig kristallisiert schnell in den Waben. Bei höheren Zargen kann das zum Problem werden, wenn oben auf der Wabe der Honig schon hart wird, unten aber die offenen Zellen noch spritzen.
 
Honigwaben entnehme ich klassisch, einzeln und mit Abstoßen der Bienen über dem Stand. Dabei stehen die abgenommenen Halbzargen auf einer Transportkiste hinter dem Stand, sodass keine Biene mehrfach abgefegt wird. Nicht schleuderreife Waben kommen direkt wieder auf das Volk. Wenn noch etliche Bienen auf den entnommenen Waben verbleiben, so ist das kein Problem: Im geschlossenen Auto fliegen sie ab, sitzen an den Scheiben und werden vor der Abfahrt entlassen. Besondere Vorsicht ist im Juni noch nicht nötig. Honigernte und Durchsicht der Völker betreibe ich nicht am gleichen Tag, um zu viel Unruhe am Stand zu vermeiden. Im Juli/August dagegen entsteht innerhalb kurzer Zeit der Belagerungszustand, wenn es nach Honig riecht. Bevor ich in einer wilden, schwarzen Wolke arbeite, vergittere oder schließe ich die Fluglöcher aller Völker am Stand. Dann bleibt es ruhig. Von entfernteren Ständen finden die Bienen so schnell nicht zu meinem Arbeitsplatz.
 
Entdeckeln und Schleudern läuft bei mir nach wie vor in Handarbeit. Die Paschke-Bügel als Abstandshalter stören nicht beim Entdeckeln mit der Gabel. Zu einem Entdeckelungsmesser konnte ich mich nicht durchringen, denn meine Völker bauen, je nach Trachtsituation, manchmal unebene Kunstwerke. Auf das Deckelwachs lege ich Wert. Es füllt, locker geschichtet, in einer normalen Saison ein altes 200-l-Fass, wo es dicht verschlossen auf den Herbst wartet. Die Motorschleuder habe ich gegen eine mit Handbetrieb eingetauscht. Da kann ich die Drehzahl feiner dosieren und am Ende das Maximum rausholen, wenn ich die Taschen mit dem Deckelwachs schleudere. Der Arzt hat mir Sport verordnet. Die Schleuder kann ich ohnehin nicht allein arbeiten lassen. Mal würde sie ins Hüpfen kommen, mal würden die Siebe überlaufen…
 
Das Sieb ist das altbewährte Doppelsieb aus Edelstahl, auf einem Hobbock aufliegend. Davon habe ich zwei bis drei im Einsatz. Läuft eines nicht mehr richtig, dann kommt das nächste dran. In jedem Jahr kommt es vor, dass einige Frühtrachtwaben kandiert sind. Die Honigkristalle verstopfen jedes Sieb. Man könnte sie wohl mit Wärme auflösen, aber bei welcher Temperatur? Ich schabe sie mit einem breiten Soßenlöffel aus dem Sieb. Das kostet Zeit, ergibt aber die beste Honigqualität.
 
Gerührt wird der Honig in 50-kg-Edelstahltonnen, zweimal täglich, ebenfalls von Hand. Die Frühtracht ist nach zwei, drei Tagen abfüllfertig. Die Sommertracht wird mit ein wenig feinkandiertem Honig geimpft, der mit frischem Honig versetzt und durch das feine Edelstahlsieb gerührt wird, um Klümpchen zu vermeiden.
 
Abgefüllt wird der Honig direkt in Gläser, kurz bevor er fest wird. Dafür eignen sich nur Twist-off-Gläser. Nur die sind wirklich dicht!
 
Das Honiglager im Souterrain unseres Hauses bleibt selbst im heißen Sommer kühl. Im Winterhalbjahr ist das Fenster angekippt. So sinkt die Temperatur für viele Monate deutlich unter 15 °C. Das sind optimale Lagerbedingungen ohne Kühltechnik.

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