Imkern im Juli: Sommertrachternte und Spätsommerpflege

24. Juni 2021

Die Spätsommerpflege legt den Grundstein für eine gute Überwinterung. Sie beginnt für den Imker bereits im Juli. Dann steht auch die letzte Honigernte des Jahres an.

Ab Mitte Juli steht die Sommertrachternte an. Bei der Entnahme der Honigwaben muss ich jetzt besonders auf Räuberei achten. Weil die Natur den Bienen jetzt meist nur wenig Nektar bietet und es viele arbeitslose Sammlerinnen gibt, schauen diese nach, ob es etwas beim Nachbarn zu holen gibt.

So ist Räuberei vorprogrammiert, wenn ich unsauber arbeite, die Beuten lange offen stehen lasse oder den entnommenen Honig nicht bienendicht verschließe. Hier sind Bienenfluchten das Mittel der Wahl, um die Honigräume bienenfrei zu bekommen.

Sommertrachternte: Pyrrolizidinalkaloide (PAs) im Honig?

Ausgabe 08/2021

Top-Themen:

  • Bienenhaltung in der Stadt
  • Mageres Frühjahr
  • Varroalast klein halten
  • Waben lagern

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Das Jakobskreuzkraut breitet sich immer weiter aus. Sein Nektar und der anderer Blütenpflanzen, wie Wasserdost, Natternkopf, Beinwell und Borretsch, enthält giftige Pyrrolizidinalkaloide (PAs), die sich im Honig wiederfinden können. Allerdings bauen sich diese nach etwa drei Monaten im Honig ab und sind kaum noch nachweisbar. Ursächlich dafür scheinen die von den Bienen zugesetzten Enzyme zu sein. In Heu oder Tee werden PAs nicht abgebaut.

Da der Sommertrachthonig wesentlich langsamer auskristallisiert als der Frühtrachthonig, kann es sein, dass er erst nach zwei bis drei Monaten ins Glas gefüllt wird. Nach dieser Zeit ist von den PAs kaum noch etwas nachzuweisen. Aus imkerlicher Sicht stellen sie also kein Problem dar, weil sie zudem für die Bienen ungiftig sind.

Königinnen austauschen

Ich halte den Juli für eine gute Zeit, um Königinnen auszutauschen. Das betrifft Weiseln, die entweder zu alt sind oder mit denen ich unzufrieden bin, weil sie etwa nicht friedfertig genug sind. Die neuen Königinnen stammen aus der eigenen Vermehrung im Mai oder Juni. Es finden sich auch weisellose Ableger oder Völker, bei denen ich unsicher bin, ob sie eine Königin haben. Diese teste ich mittels einer Weiselprobe – das ist eine zugehängte Brutwabe mit jungen Larven.

Nach spätestens drei Tagen sehe ich, ob Weiselzellen angesetzt wurden. Wenn ja, ist keine Königin vorhanden und es kann eine im Ausfresskäfig zugesetzt werden. Wenn keine Weiselzellen angesetzt wurden, ist bestimmt bald jüngste Brut zu finden, da die junge Königin erst noch in Eilage geht.

Wird ein Volk buckelbrütig, prüfe ich zuerst, ob eine Königin vorhanden ist, die keinen Spermavorrat mehr hat und nur noch unbesamte Eier legt, aus denen Drohnen schlüpfen. In diesem Fall nehme ich die alte Königin und die Drohnenbrut heraus und setze eine sich in Eilage befindende Königin unter Futterteigverschluss zu. Ist das Volk dagegen buckelbrütig ohne Königin, fege ich alle Bienen etwa 20 bis 50 m entfernt ins Gras. Die Arbeiterinnen betteln sich bei den Nachbarvölkern ein. Da die Drohnenmütterchen kaum fliegen können, verenden sie im Gras. Diejenigen, die es doch bis zu einem Volk schaffen, werden am Flugloch abgewiesen.

Die Jungvölker sehe ich regelmäßig durch und überprüfe sie auf Weiselrichtigkeit. Das Flugloch bleibt klein, und ich sorge für einen kontinuierlichen Futterstrom. Das Völkchen muss genügend Brut pflegen, damit es zu einer überwinterungsfähigen Einheit mit mindestens 5.000 Bienen heranwächst, besser noch mehr.

Spätsommerpflege im Juli

Die Bruttätigkeit geht zurück, und die Bienen werden zunehmend aggressiv, weil es vermehrt alte Flug- und Wächterbienen gibt, die nichts zu tun haben und eher bereit sind zu stechen. Die Arbeiten an den Völkern müssen jetzt schnell vonstattengehen und gut geplant sein, da sonst die Räuberei losgeht.

Die Spätsommerpflege legt den Grundstein für eine gute Überwinterung – jetzt geht es an die Aufzucht der Winterbienen. Sie sollen den ganzen Winter überleben, um die erste Bienengeneration im neuen Jahr heranzuziehen. Das setzt voraus, dass sie gesund zur Welt kommen und möglichst nicht durch die Varroa geschädigt wurden.

Wirtschaftsvölkern, die ich mit einem Brutraum durch die Saison geführt habe, setze ich nach der letzten Honigernte eine Zarge mit ausgeschleuderten Honigwaben ohne Absperrgitter auf. Sie gehen zweiräumig in den Winter. Jetzt bekommen sie die erste Futtergabe in Form von Sirup.

Danach führe ich eine Varroabehandlung mit 60-prozentiger Ameisensäure mit dem Schwammtuch durch. Die alten Brutwaben werden erst im nächsten Frühjahr herausgeholt. Bei einem Teil meiner Völker führe ich die Methode „Teilen und behandeln“ nach Dr. Gerhard Liebig durch.

Was macht der Züchter?

Im Juni und Juli werden an den Prüfvölkern mehrere Hygienetests durchgeführt und dazu 50 verdeckelte Brutzellen bis zum Zellboden durchstochen. Der Test soll zeigen, wie gut die Arbeiterinnen geschädigte Brut erkennen und ausräumen. Zusätzlich wird nun der Varroabefallsgrad mittels einer Bienenprobe mit 30 g Bienen ermittelt und in ein Verhältnis zur Anfangsbelastung im Frühling zur Salweidenblüte gesetzt. Beide Ergebnisse fließen in den Varroatoleranzwert ein. Am 15. Juli ist die Leistungsprüfung abgeschlossen.

Horst Schäfer

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