Imkern im November: Zuchtauswertung und Arbeit im Imkerverein

21. Oktober 2020

Zwar ist beim Imkern im November an den Bienen selbst nicht viel zu tun – außer die Herbststürme setzen den Völkern zu. Dennoch gibt es vieles zu organisieren und fürs kommende Jahr vorzubereiten: Die Königinnen- und Drohnenzucht und Arbeiten im Imkerverein.

Das Wetter ist nun novembertypisch. Die Temperaturen liegen meist unter 10 °C. Aber es gibt immer noch einige Tage, an denen die Bienen wenige Stunden fliegen können. Oftmals geht schon der eine oder andere Schneeschauer nieder, oder es regnet tagelang. Regelmäßig suchen uns die berüchtigten Novemberstürme heim. Daher gehe ich oft zum Bienenstand und sehe nach, ob der Sturm Schäden angerichtet, zum Beispiel einen Deckel weggeweht hat.

Das ist schon einmal geschehen: Blechdeckel und Wärmedämmdeckel eines Volkes wurden trotz der Beschwerung mit Steinen von den Beutengeweht, und ich habe es erst einige Tage später bemerkt. Obwohl das Volk den Wetterkapriolen des Novembers schutzlos ausgeliefert war, hat es zum Glück keinen Schaden genommen.

Imkern im November: Was machen die Bienen?

Ausgabe 12/2020

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Top-Themen:

  • Vereine und Corona
  • Volksinitiativen Artenschutz
  • Winterbehandlung
  • Honigjäger von Bangladesch

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Was machen unsere Bienen jetzt? An schönen Tagen nutzen sie die Möglichkeit, Wasser, Propolis und vielleicht noch etwas Pollen einzutragen. Die ersten Völker sind bereits aus der Brut gegangen. Mithilfe der eingesetzten Fluglochkeile werden Untermieter wie Mäuse ferngehalten. Durch den offenen Beutenboden haben meine Bienen immer ausreichend Belüftung.

Aufgabe des Imkers ist es, für eine ruhige Überwinterung zu sorgen. Schlagen da eventuell Zweige der benachbarten Sträucher gegen eine Beute, dann sollte dies abgestellt werden. Gestörte Bienenvölker kommen nicht zur Ruhe und haben deshalb einen höheren Futterverbrauch. Das kann bis zum Zusammenbruch führen. Durch regelmäßige Kontrollen kann ich leicht gegensteuern. Auch auf Specht- oder Waschbärschäden ist bei den Besuchen zu achten.

Im Laufe des Novembers werden die ersten Nachtfröste auftreten und dafür sorgen, dass die restlichen Völker aus der Brut gehen und etwa drei Wochen später die letzten Bienen auslaufen. Diese Brutfreiheit ab Mitte Dezember werde ich zur Restentmilbung mit Oxalsäure nutzen.

So läuft die Zuchtauswertung ab

Jetzt, da sich die Arbeiten an den Bienen nur noch auf kurze Kontrollgänge beschränken, wird es Zeit, sich mit der Auswertung der übers Jahr angelegten Unterlagen zu beschäftigen und daraus Rückschlüsse zu ziehen. So trage ich die Daten für die Zuchtwertschätzung meiner gezüchteten Königinnen in das europäische Zuchtbuch auf Beebreed.eu ein.

Die Auswertungen zeigen schnell, bei welchen Königinnen sich die weitere züchterische Bearbeitung lohnt, welche sich für die Körung eignen. Genauso werden die Aufzeichnungen des Bienenjahres ausgewertet. So stellt sich für mich dieses Jahr die Frage: Hat sich der Anfang des Jahres vorgestellte Einsatz der diffusionsoffenen Beutendeckel positiv auf die Honigfeuchte ausgewirkt? Falls ja, kann dieses System gegebenenfalls auf alle Völker ausgeweitet werden. Aber auch zahlreiche andere Faktoren werden überprüft und können somit zukünftig die Betriebsweise beeinflussen.

Imkern im November: Das steht im Imkerverein an

Als zweiter Vorsitzender unseres Wernigeröder Imkervereins möchte ich auch auf die Vereinstätigkeit eingehen. Bei uns finden regelmäßig Vereinsabende statt, bei denen jeder Teilnehmer die Möglichkeit hat, sich einzubringen und seine jeweilige Betriebsweise zu erläutern.

Weiterhin gibt es übers Jahr gesehen interessante Vorträge, die entweder die Vereinsimker selbst oder eingeladene Gäste halten. Leider nutzen noch nicht alle Mitglieder diese Angebote, aber es lässt sich eine Steigerung erkennen. Jetzt, im November, werden zum Beispiel die vereinseigenen Bienensachverständigen den Tag der deutschen Bienengesundheit auswerten und die sich daraus ergebenden neuen Erkenntnisse bekannt machen.

Fachgespräche und Neuimkerpatemschaften organisieren

Viele Mitglieder schätzen diese Informationen und nutzen sie zur Fehlerbeseitigung. Das gemütliche Beisammensein und die imkerlichen Fachgespräche am Rande sind natürlich auch sehr wichtig. Sehr gern werden die Vereinsabende von den neuen Imkern besucht: Sie haben sehr viele Fragen und schätzen ganz besonders die Unterstützung durch die Bestandsimker. So hat unser Verein in den letzten Jahren zahlreiche Neuimkerpatenschaften organisiert.

Der sechstägige Neuimkerkurs, der übers Jahr verteilt stattfindet, wird von Neuimkern sehr gern angenommen, um sich mit diesem schönen Hobby zu beschäftigen. Des Weiteren arbeiten Imker des Vereins als Obleute für Umwelt, Naturschutz und Bienenweide, für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie für Bienengesundheit und Bienenzucht. Davon können alle Mitglieder profitieren. An der Stelle möchte ich diesen ehrenamtlich tätigen Mitgliedern ganz ausdrücklich für ihren Einsatz und die viele Arbeit für den Verein danken.

Alle Vereinsmitglieder lassen im Dezember bei einer großen Weihnachtsfeier mit Partnern das Imkerjahr ausklingen. Für Interessierte ist der Imkerverein Wernigerode im Internet unter der Adresse Imkerverein-Wernigerode.de zu erreichen.

Stefan Bormann

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