Imkerei im Wandel der Zeit: Archivfilm von 1928

09. Juni 2020

Die London’s Screen Archives (LSA) sammeln und digitalisieren Filme aus Museen, Galerien, öffentlichen Einrichtungen, lokalen Archiven und nationalen Wohltätigkeitsorganisationen aus und über London. Auf der Website des Archivs sind wir fündig geworden: Im Stummfilm „Amateur Bee-Keeping“ aus dem Jahr 1928 überbringt ein Imker einer Frau ihr vermutlich erstes Bienenvolk. Der Film wurde auf einer Farm in Pinner, einem Stadtteil im Londoner Bezirk Harrow, gedreht und zeigt die Imkerei im Wandel der Zeit.

Weiße Schrift auf schwarzem Untergrund bildet den Auftakt des rund 5 1/2 -minütigen Stummfilms: „Arrival of hive and bees“, heißt es hier. Einen kurzen Augenblick später kommen die Beute und die Bienen auch schon angefahren: Mutmaßlich in einem Ford-Auto, Modell A, das von 1928 bis 1931 produziert wurde. Noch sitzt eine Frau, die zukünftige Jungimkerin, gemütlich mit einem Buch in ihrem Stuhl – nicht mehr lange, denn sodann kündigt ein Mädchen die Ankunft des Imkers an. Die Frau springt auf; sogleich stellen sie und der Imker die Magazinbeute auf ihren Platz.

Ausgabe 04/2021

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Imkerei im Wandel der Zeit: Sanftmütige Bienen

Gerade möchte sich die Imkeranfängerin noch einen schwarzen Schleier über den Kopf ziehen, da hat sie ihn schon wieder abgenommen. Denn, wie auch der eingeblendete Titel sagt: „Der Schleier ist überflüssig, wenn ein paar einfache Regeln beachtet werden“. So stehen Imker und Jungimkerin beide ohne Schutzbekleidung vor dem Ablegerkasten. Auch später, als der Imker seinen Arm in die mit Bienen gefüllte Beute hält und sich einige Arbeiterinnen auf ihm niederlassen, kommt er sichtbar ohne Stiche davon. Sanftmütige Bienen hat es damals schon gegeben.

Wabendrehung und Magazinbeute mit zehn Rähmchen

Der Imker zieht die erste Wabe aus dem Ablegerkasten und führt vor, wie sie sich schnell und einfach von beiden Seiten begutachten lässt: Erst wird die Wabe horizontal gehalten, dann vertikal und halb um die eigene Achse gedreht, sodass sich mit einer weiteren 90°-Drehung auch die andere Seite der Wabe problemlos horizontal anschauen lässt. Die Jungimkerin folgt seinen Ausführungen gespannt und versucht sich später selbst an der Wabendrehung. Stolz zeigt sie dem Mädchen und einer weiteren Frau, die sich zum Bienenstand gesellen, wie sie das Rähmchen hält. Die beiden lassen sich dafür allerdings nicht begeistern.  

Imkerei im Wandel der Zeit
Die Magazinbeute gelangt an ihren Platz.
Foto: Screenshot von www.londonsscreenarchives.org.uk/title/20292/

Neben den Waben aus dem Ablegerkasten gelangen nun solche mit Mittelwänden in die Beute. Die zehn Rähmchen stehen dabei im Kaltbau, ähnlich wie die Zanderbeute, allerdings begrenzt sich der Brutraum im Video auf eine Zarge. Die Honigzarge fällt außerdem etwas kleiner aus als die Brutzarge.

Eine stolze Imkerin und die erste Honigernte

„Schon bald gewinnt die Anfängerin an Selbstvertrauen“, heißt es im Film. Man sieht: der Honigraum ist gefüllt; der Einblick in die Honigernte bleibt einem jedoch verwehrt. Die Abschlussszene beweist: die Honigernte war erfolgreich, vier Frauen mit drei Kindern halten ihre Teatime ab und verkosten den eigenen Honig. Dass Kinder unter einem Jahr keinen Honig essen dürfen, war 1928 noch nicht bekannt: Das Baby auf dem Arm einer Frau bekommt augenscheinlich einen Löffel des süßen Goldes in den Mund. Hoffentlich ohne bösartige Folgen.

Imkerei im Wandel der Zeit: Ein netter Ausschnitt aus London

Natürlich kann der Film nicht wiedergeben, wie die Situation der Imkerei in England im Jahr 1928 tatsächlich aussah. Quellen dazu, mit welchem Ziel und unter welchen Umständen der Film gedreht wurde, fehlen. Dafür beweist er ausschnittsweise, was schon damals in der Imkerpraxis angewandt wurde. Der Imker plädierte fürs Arbeiten am Bienenvolk ohne Schleier, die Wabendrehung war bekannt, über den Brutraum wurde ein Absperrgitter gelegt. Auch das Vorurteil, Imkern wäre ausschließlich Männersache gewesen, wird entkräftigt. Der Film ist ein nettes, zeithistorisches Dokument – weniger für Lehrzwecke, dafür mit umso mehr Unterhaltungswert. Die Vermutung liegt nahe, dass er deshalb damals auch im Kino lief.

Hier geht’s zum Film „Amateur Bee-Keeping“ >>>

arn

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