Welche Beute ist die richtige? Ein Überblick

24. Februar 2020

Mit der Wahl der Bienenbehausung, der sogenannten Beute, und des Rähmchenmaßes, also der Größe der Holzrahmen, in denen die Bienen ihre Waben bauen, entscheidet man sich auch für eine bestimmte Betriebsweise. Doch die Beutenvielfalt ist groß, und das erschwert vor allem Einsteigern die Entscheidung bei der Frage: Welche Beute ist die richtige?

Das ist den Bienen bei der Wahl der Beute am wichtigsten

Die Fülle an eingesetzten Beuten zeigt, dass es den Bienen relativ schnuppe ist, in welchem Bienenstock sie gehalten werden. Sie gedeihen in allen Behausungen, solange diese ausreichend Schutz bieten, groß genug für eine gesunde Volksentwickung sind und der Imker stets problemlos eingreifen kann. Natürlich sollte der Bienenhalter auch mit der jeweiligen Betriebsweise gut vertraut sein.

Ausgabe 10/2021

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Top-Themen:

  • Tierwohl in der Imkerei
  • Melezitosehonig
  • Verdampfer statt Smoker?
  • Vertriebene Honigjäger

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Daher muss sich jeder Imker fragen, welche Betriebsweise ihm liegt und welche Ziele er mit der Imkerei anstrebt. Geht es um möglichst rationelles, flexibles und wirtschaftliches Arbeiten? Soll das Heben schwerer Lasten vermieden werden? Ist das Wandern mit den Bienen geplant? Möchte man so viel Honig ernten, dass man neben Verwandten und Freunden auch noch Kunden mit eigenem Honig versorgen kann? Oder strebt man eher eine extensive Haltung an?

Um eine Übersicht zu geben, haben wir die Beuten in drei Gruppen eingeteilt: die Flexiblen, die Rückenschoner und die Extensiven. Hier kann sich jeder einen groben Überblick verschaffen, welche Beutengruppe für ihn infrage kommt. Die aufgeführten Aspekte bilden natürlich nur eine kleine Auswahl an Eigenschaften der jeweiligen Beute.

Welche Beute ist die richtige: Die Magazinbeute und ihre Betriebsweise

Wer eine möglichst hohe Flexibilität in der Bienenhaltung anstrebt, einschließlich der Möglichkeit zum Wandern und sich fragt, welche Beute die richtige ist, fährt mit der Magazinbeute am besten. Sie eignet sich von allen Beutentypen am ehesten für ein rationelles sowie wirtschaftliches Arbeiten. Zudem sind die Eingriffe ins Volk mit dieser Beute in der Regel am einfachsten durchzuführen. Das Rähmchenmaß der Beute hat keinen Einfluss auf die Volksentwicklung oder den Honigertrag. Lediglich beim Dadantmaß und vergleichbar großen Maßen, wie Zadant oder Deutsch-Normal-1,5, unterscheidet sich die Betriebsführung grundlegend von den übrigen Magazinmaßen. Zur Magazinbeute gehören Maße wie Deutsch-Normal, Zander und Langstroth.

Bei Magazinbeuten sind die Brut- und Honigräume in einzelne Zargen aufgeteilt. Diese stapelt man aufeinander und kann den Raum damit flexibel vergrößern und verkleinern. Boden, Zargen und Deckel ergeben zusammen das Magazin.

Die Vorteile der Magazinbeute:

Welche Beute ist die richtige - Magazinbeute. Foto: Sabine Rübensaat
Magazinbeute sind verbreitet und in verschiedenen Formen und Größen erhältlich. Foto: Sabine Rübensaat
  • Aufgrund der größeren Nachfrage sind Magazinbeuten trotz der Rähmchenvielfalt noch am günstigsten.
  • Durch die Modulbauweise lassen sich Magazinbeuten beliebig erweitern. Solange man Zargen zur Verfügung hat, kann eine Magazinbeute nicht zu klein für ein Volk werden.
  • Mit dem passenden Boden und Trennschieden lassen sich leicht mehrere Ableger platzsparend in einer Beute unterbringen. Man benötigt für die Jungvölker kein eigenes Maß.
  • Der Honigertrag in Magazinbeuten ist relativ hoch, beispielsweise rund 10–20 Prozent höher als in Hinterbehandlungsbeuten.
  • Bienenfluchten können die Honigernte für Imker und Bienen deutlich erleichtern.
  • Die Beuten lassen sich leicht zum Wandern transportieren.
  • Die Beuten brauchen nur eine relativ kleine Stellfläche.
  • Die Wabenerneuerung kann zargenweise erfolgen.

Die Nachteile der Magazinbeute:

  • Größter Minuspunkt: Der Honigraum, aber auch voll besetzte Brutraumzargen sind sehr schwer. Menschen mit Rückenproblemen oder wenig Kraft können diese nur mit Hilfsmitteln bewegen. Flach- oder Halbzargen sind hier unter Umständen eine Lösung. Hexenschüsse bei Magazinimkern sind leider keine Seltenheit.
  • Magazinbeuten sind leichte Diebesbeute.
  • Die Beuten lassen sich nur zargenweise erweitern beziehungsweise einengen.
  • Um an den Brutraum zu gelangen, muss man den Honigraum abnehmen.
  • Der Brutraum ist außer bei der Dadantbeute zweigeteilt, sodass der Überblick schwerer fällt. Die Lücke zwischen den Waben der einzelnen Zargen stört die Bienen übrigens nicht. Bei der Dadantbeute ist der Brutraum auf einer Ebene, aber man muss mit sehr großen Brutwaben hantieren.

Welche Beute ist die richtige: Lager- und Trogbeuten als Rückenschoner

Welche Beute ist die richtige - Golzbeute. Foto: Sebastian Spiewok
Golzbeute: Es gibt keine Zargen – der Honigraum liegt hinter dem Brutraum. Durch die getrennten Folien und Dämmplatten lassen sich Brut- und Honigraum separat öffnen. Foto: Sebastian Spiewok

Wer seinen Rücken schonen will oder nicht in der Lage ist, schwere Zargen zu schleppen und sich fragt „welche Beute ist dir richtige für mich?“, der sollte auf Lager- oder Trogbeuten zurückgreifen. Hierzu gehören zum Beispiel die Golzbeute und die Bremerbeute. Ihnen gemein ist, dass Brut- und Honigraum auf einer Ebene liegen – bei der Golzbeute befindet sich der Honigraum hinter, bei der Bremerbeute neben dem Brutnest. Der Raum für die Bienen wird mittels Trennschieden erweitert oder eingeengt.

Die Vorteile von Lager- und Trogbeuten:

  • Kein Heben schwerer Zargen
  • Schnelle und gute Übersicht über das Volk
  • Zu schwer für Diebe

Die Nachteile von Lager- und Trogbeuten:

  • Keine Erweiterung möglich, wenn das Volk sehr stark wird oder sehr viel Nektar einträgt.
  • Hoher Preis: Lagerbeuten sind meist teurer als Magazinbeuten.
  • Die großen Beuten wiegen 20 kg und eignen sich daher nicht zum Wandern.
  • Große Standfläche nötig.
  • Im Fall einer notwendigen Sanierung passen die Beuten in kein Fass mit Ätznatron. Die Bremerbeute kann zudem nicht abgeflammt werden, da sie aus Kunststoff besteht.
  • Eine Mischform sind Trogbeuten mit Zargen zum Aufsetzen. Hierzu gehören beispielsweise die Trogbeute fürs Heroldmagazin und die Trogbeute T120.

Die Vorteile von Beutenmischformen:

  • Die Beute ist erweiterbar.
  • Brutraum auf einer Ebene
  • Die Rähmchen werden auch im Deutsch Normalmaß angeboten. Sie sind leichter als das gängige Kuntzsch-Hoch-Maß der Golz- und Bremerbeute.

Die Nachteile von Beutenmischformen:

  • Zur kompletten Durchsicht des Brutraumes muss man den Honigraum bewegen.
  • Hoher Stückpreis
  • Für die Aufstellung im Freien ist ein wetterfestes Dach nötig.
Welche Beute ist die richtige - Hinterbehandlungsbeute Foto: Harriet Richardson
Hinterbehandlungsbeuten sind Standard in großen Bienenwägen. Foto: Harriet Richardson

Rückenschonend ist auch die Hinterbehandlungsbeute. Einige Berufsimkereien zeigen, dass sich auch mit diesem Beutentyp wirtschaftlich arbeiten lässt.

Die Vorteile der Hinterbehandlungsbeute:

  • Arbeiten im Sitzen möglich
  • Kein Heben von Zargen
  • Wassergehalt des Honigs ist geringer als bei Magazinbeuten.
  • Bequemes Wandern im Wanderwagen, aber dafür nur Innenaufstellung möglich.

Die Nachteile der Hinterbehandlungsbeute:

  • Inzwischen gibt es die Beuten wieder zu kaufen, aber das Angebot ist relativ klein.
  • Die Beuten sind tendenziell zu klein für heutige Volksstärken.
  • Aufgrund des begrenzten Raums muss man häufiger Honig schleudern und die Völker schröpfen.
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Welche Beute ist die richtige: Beuten für kleine Honigmengen

Wer Bienen extensiv halten möchte und nicht auf große Honigmengen aus ist, stößt schnell auf die Warrébeute, die Einraumbeute, die Bienenkiste oder den Top Bar Hive. Doch schon die Unterschiede zwischen diesen Beuten machen klar, dass eine extensive Haltung in jedem Bienenstock möglich ist. Die jeweiligen Beuten mögen die Nachbildung eines wilden Bienennestes unterschiedlich gut erlauben – angesichts der natürlichen Flexibilität der Bienen ist es jedoch fraglich, ob eine Beute deshalb wesensgemäßer ist als andere.

Welche Beute ist die richtige - Trogbeute. Foto: Sebastian Spiewok
Die Top Bar Hive gehört zu den Einraumbeuten. Foto: Sebastian Spiewok

Der Begriff der Einfachbeuten bezieht sich auf die Betriebsweise mit wenigen Eingriffen. Die Eingriffe selbst sind hier aber zum Teil schwieriger durchzuführen als in anderen Beuten. Auch für die extensive Betriebsweise sind gute Kenntnisse der Bienenhaltung nötig – besonders bei Stabilbau, also wenn die einzelnen Waben nicht beweglich sind. In diesem Fall sind die Möglichkeiten stark eingeschränkt, ein Volk zu untersuchen, wenn es krank ist oder möglicherweise seine Königin verloren hat.

Grundsätzlich gilt: Auch wer in seiner Bienenhaltung möglichst wenig ins Bienenvolk eingreifen möchte, sollte bei der gewählten Beute immer die Möglichkeit für Eingriffe haben. Nur so kann man der Verantwortung nachkommen, auch kranke und geschwächte Völker adäquat zu pflegen.

  • Der Warrébienenstock ist eine Magazinbeute, die sogar von einigen wenigen Berufsimkern verwendet wird. In ihr können Stabilbau, Naturbau an Leisten sowie Rähmchen (Eigenbau) eingesetzt werden. Besonderheiten sind der kleine Durchmesser und ein Strohkissen zur Absorption von Feuchtigkeit.
  • Der Top Bar Hive ist eine Trogbeute, in der mit Naturbau an Leisten gearbeitet wird. Aufgrund der schrägen Seitenwände bauen die Bienen die Waben nicht so stark an den Wänden an – ein Messer zum Lösen der Waben sollte trotzdem nie fehlen. Das Bieneninstitut in Veitshöchheim erarbeitete eine moderne Variante dieser Beute.
  • Die recht teure Bienenkiste ist eine große, flache Beute, die dem Krainer Bauernstock nachempfunden ist. Das Grundprinzip dieser Beute ist der unbewegliche Stabilbau. Zwar gibt es Leisten für die Waben, doch sind nur die Honigwaben ohne allzu großen Aufwand zu entnehmen. Größere Eingriffe oder Untersuchungen des Bienenvolkes sind kaum möglich.
  • Die Mellifera-Einraumbeute ist eine verhältnismäßig kurze Trogbeute mit Rähmchen, die Eingriffe vereinfachen. Da alle Waben in einer Ebene liegen, erhält man schnell eine gute Übersicht. Die Wabenfläche entspricht der des Dadantmaßes, sodass einzelne Waben recht schwer werden können. Die extensive Bewirtschaftung ergibt sich unter anderem durch das hohe Rähmchenformat: Die Bienen lagern viel Honig direkt über dem Brutnest in die Waben ein – dadurch gibt es weniger reine Honigwaben zum Schleudern.

Grundsätzlich gilt: Auch wer in seiner Bienenhaltung möglichst wenig ins Bienenvolk eingreifen möchte, sollte bei der gewählten Beute immer die Möglichkeit für Eingriffe haben. Nur so kann man der Verantwortung nachkommen, auch kranke und geschwächte Völker adäquat zu pflegen.

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