Bienen füttern mit Honig: Drei Varianten im Überblick

28. Dezember 2020

Im Winter zehren die Bienen von dem, was sie im Jahr eingetragen haben. Nicht immer reichen die eigenen Vorräte aus. Je nach Größe sollten in einem Bienenvolk zwischen 15 und 20 kg Futter vorhanden sein. Viele Imker sind heute bestrebt, ihre Völker auf Honig zu überwintern. Wir stellen Ihnen drei Methoden vor, wie sie das Bienen füttern mit Honig funktioniert.

1. Bienen füttern mit Honig und Zuckerwasser

Wir betreiben eine kleine Berufsimkerei im Landkreis Märkisch-Oderland im Osten Brandenburgs und sind gleichzeitig eine der wenigen demeterzertifizierten Erwerbsimkereien in Deutschland. Als solche versuchen wir, bei allen Maßnahmen ein Gleichgewicht zwischen Wirtschaftlichkeit und wesensgemäßer Bienenhaltung zu finden.

Bienen füttern mit Honig - Jasoer Heilmann, Foto: Antonios Mitsopoulos
Jasper Heilmann führt einen Demeterbetrieb und achtet auf wesensgemäße Bienenhaltung. Foto: Antonios Mitsopoulos

Die Demeterrichtlinie schreibt vor, dass das Winterfutter in der Regel mit zehn Prozent des eigenen Demeterhonigs, Kamillentee und Salz zubereitet wird. Zusätzlich belassen wir den Bienen im großen Brutraum – bei uns Dadant – zur Überwinterung Honig; Brutraumwaben werden bei uns nicht geschleudert. Vorausgesetzt es gab im Sommer eine Tracht, verbleiben in der Regel etwa fünf Kilogramm Honig im Brutraum.

Den Zucker zum Anmischen des Winterfutters kaufen wir in Bio beziehungsweise Demeterqualität zu. Wir wählen aus Gründen der Regionalität Rübenzucker. Leider gibt es momentan nur einen Schweizer Anbieter, der Demeterrüben verarbeitet. Für jedes Volk benötigen wir etwa 15 Kilogramm Zucker, kaufen aber immer etwas mehr auf Vorrat, falls im Spätherbst oder im zeitigen Frühjahr eine Nachfütterung nötig wird oder die Völker in einem milden Herbst viel Futter „verbrüten“.

Bienen füttern mit Honig und Zuckerwasser nach Demeterrichtlinie

  • Zuckerwasser mit Zucker aus Bio-/Demeterqualität (ca. 15 kg pro Volk), Kamillentee und Salz
  • 10 % Honig, z.B. aus dem Entdeckelungswachs-Schmelzer
  • Zuerst Honig in Futterbehälter; später folgt das Zuckerwasser

Für den Honigenutzen wir den Honig, den wir aus unserem Entdeckelungswachs-Schmelzer gewinnen. Dieser wurde im Schmelzer ja erhitzt und ist somit nicht mehr als Demeterhonig zu verkaufen. Zu Beginn der Fütterungszeit füllen wir ihn in die Futterbehälter, das Zuckerwasser kommt dann später obendrauf.

Wir füttern unsere 150 Bienenvölkern mit mehreren Tausend Liter Futter. Wir mischen das Zuckerwasser daher in einem Tank mittels einer 2.000-Watt-Schmutzwasser-Tauchpumpe mit kaltem Wasser an. Parallel kochen wir Kamillentee und geben eine Handvoll Salz in den Tank. Das Futter erhält dadurch einen spürbar angenehmeren Geschmack, den anscheinend auch die Bienen schätzen. Mit dem Hochhubwagen heben wir den Tank anschließend in den Transporter. Am Stand verteilen wir das Futter mit Gießkannen. Wir beginnen mit der Fütterung direkt beim Abfluchten der letzten Honigernte – normalerweise in der ersten oder zweiten Juliwoche.

Jasper Heilmann

2. Eigener Honig zum Einfüttern

Als ich mit dem Imkern im Jahr 2010 angefangen habe, gehörten Mittelwände und das Füttern der Bienen mit Zucker dazu. Aber weil meine Bienen trotz Belegstellen-Königinnen jedes Jahr schwächer wurden, fing ich an, meine Betriebsweise zu ändern. Es ging mir schließlich nicht um den Honig.

Erst habe ich mit Biozucker zugefüttert, verwende seit ein paar Jahren aber nur noch eigenen Honig. Ich habe schon oft gelesen, dass die Bienen auf zugefüttertem Honig schlechter überwintern sollen als auf Zuckersirup. Dabei ist es doch das natürliche Winterfutter der Tiere.

Meine Bioimkerei in Oberbayern umfasst etwa 100 Völker, die auf Feldern bei Biolandwirten im Umkreis von bis zu 40 Kilometern von Haag stehen. Ich imkere in Holzbeuten in Deutsch Normalmaß. Den Honig in den zwei Brutzargen überlasse ich komplett den Bienen und ernte nur aus der Honigzarge. Allerdings wabenweise und nicht die ganze Zarge auf einmal, wie man es sonst kennt.

Bienen füttern mit Honig - Margot Erber
Margot Erber betreibt eine Bioimkerei und erntet den Honig wabenweise. Foto: Margot Erber

Beim Einfüttern von reinem Honig ist es wichtig, dass man nur eigenen Honig verwendet und nicht den aus dem Supermarkt, da fremder Honig Faulbrutsporen enthalten kann! Pro Zarge sollten einem Volk mindestens sechs Futterwaben und fünf Brutwaben mit Futterkranz als Wintervorräte zur Verfügung stehen. Dabei sollten die Brutwaben in der Mitte und die Futterwaben jeweils rechts und links davon sitzen, damit sich die Bienentraube in der Mitte bilden kann und rechts und links mit Futter versorgt ist.

Mittlerweile finden meine Bienen im Spätsommer noch genug Nektar, sodass ich oft überhaupt keinen Honig füttern muss. Im Gegenteil: Ich muss sogar Futterwaben entnehmen, damit die Bienen genug Platz für ihre Brut haben. Diese Futterwaben verwende ich dann zum Einfüttern der Jungvölker oder gebe sie Völkern, die zu wenig Vorräte haben. Man liest immer wieder, dass der Waldhonig die Bienen und deren Kotblase im Winter belasten kann. Unsere Völker tragen jedes Jahr Waldhonig ein. Ich habe bei ihnen aber noch nie Durchfall oder Verstopfungen feststellen können. Allerdings ist der Waldhonig in unseren Völkern nie sortenrein, da in derselben Zeit andere Trachten wie Buchweizen oder Phacelia sowie Brombeeren und Himbeeren blühen.

Margot Erber

Bienen füttern: Zuckerwasser nur im Notfall

Es geht auch ganz ohne Einfüttern der Völker. In unserem Verein Stadtbienen streben wir eine extensive Bienenhaltung an. Dazu gehört, dass die Völker komplett auf eigenem Honig überwintern.

Ich imkere seit fünf Jahren und koordiniere die Imkerkurse des Vereins, in denen Interessierte die ökologische Bienenhaltung im städtischen Raum lernen können. Momentan habe ich zwei Bienenboxen besetzt, die in einer Gartenarbeitsschule und einem Schulgarten in Berlin stehen. Zwar esse ich gerne Honig, aber aus der eigenen Box entnehme ich höchstens zwei bis drei Kilogramm,

mehr nicht. Wie in der Imkerei üblich, kontrolliere auch ich im Herbst den Futterstand meiner Völker. Dafür schaue ich die Waben bei der letzten Durchsicht einzeln durch und schätze, wie viel Futter sie enthalten. In der Regel gehe ich bei einer vollen Honigwabe von zwei Kilogramm Futter aus. Als Verein empfehlen wir, Völkern in der Bienenbox 15 Kilogramm als Wintervorrat zu lassen. Manche lassen auch nur zehn Kilogramm drin, aber ich möchte auf Nummer sicher gehen und nicht im Frühjahr notfüttern müssen.

Bienen füttern mit Honig Jonas Geßner, Foto: Margarete Kruempel
Jonas Geßner imkert extensiv mit zwei Völkern in der Bienenbox. Foto: Margarete Kruempel

Wer seine Völker auf eigenem Honig überwintert, sollte auf Blatthonig achten. Man erkennt ihn an seiner dunklen Farbe. In geringen Mengen macht er eigentlich keine Probleme. Fände ich aber eine Wabe, die komplett damit gefüllt wäre, würde ich sie entfernen. Bisher habe ich aber nur wenig Blatthonig in den Völkern gehabt und ihn den Bienen gelassen. Damit habe ich nie negative Erfahrungen gemacht.

Sollten die eigenen Vorräte der Bienen einmal nicht ausreichen, füttere ich die fehlende Menge Honig mit Zuckerwasser ein, das ich aus Biozucker anrühre. Seit fünf Jahren überwintere ich meine Bienen nach dieser Methode und habe bisher noch nie das Phänomen gehabt, dass die Völker im Frühjahr völlig leer waren. Für jemanden, der eine größere Imkerei hat und auf den Honigertrag angewiesen ist, eignet sich die Methode aber wahrscheinlich weniger. Ich kenne ein paar Nebenerwerbsimker, die versuchen, ihre Völker ausschließlich auf eigenem Honig zu überwintern. Das ist aber eine wirtschaftliche Herausforderung.

Jonas Geßner

naturnah imkern

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Der Beitrag stammt aus dem neuen dbj-Sonderheft „Naturnah imkern“ – hier gehen wir u.a. Fragen nach wie: Was verändert sich am Imkern, wenn der Honigertrag nicht mehr an erster Stelle steht? Was heißt es, wenn Bienen ihre Waben frei bauen, schwärmen dürfen und auf ihrem eigenen Honig überwintern?

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