Verlagsbienen: Schwarmstimmung verhindern

21. Mai 2020

Anfang Mai kam bei den Verlagsbienen Schwarmstimmung auf. Dennoch haben sich die Bienenvölker ganz unterschiedlich entwickelt. Wir bildeten einen Sammelbrutableger.

Nachdem die Woche eher kühl und regnerisch war, kam am Freitag in Berlin die Sommersonne raus. Mit 25 °C und strahlend blauem Himmel versprach dieser Freitag ein schöner Feiertag zu werden. Aber Bienen kennen keine Feiertage. Eine ganze Woche hatten unsere Immen ihre Ruhe vor uns. Jetzt war es höchste Zeit, wieder nach Ihnen zu schauen. Ein Blick auf unsere Stockwaage zuvor zeigte uns: Zumindest aus diesem Volk war uns bisher kein Schwarm entfleucht.

Eigentlich sollten unsere Bienen in den Deutsch-Normalmaß Beuten gut beschäftigt gewesen sein mit dem Ausbau des zweiten Brutraums, den sie bekommen hatten. Aber wir stellten fest: Alle Völker hatten den zweiten Brutraum nur sporadisch ausgebaut und auch ihre Hoheit hatte in keinem Fall den Weg in den oberen Raum gefunden. Also beschlossen wir, aus der Not eine Tugend zu machen.

Ausgabe 10/2020

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Top-Themen:

  • Auf dem Weg zum Wachsstandard?
  • Amerikanische Faulbrut
  • Milben zählen per App
  • Jungvölker überwintern

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Aus zwei mach eins: Mit dem Absperrgitter Brutraum und Honigraum trennen

Wir begannen unsere Durchsicht dieses Mal mit dem Dadant-Volk (Volk E). Dieses Volk hatte sich sehr gut entwickelt. Ein paar Spielnäpfe haben wir gefunden und vorsichtshalber entfernt. Den Brutraum um zwei Waben erweitert, um ein Abschwärmen des Volkes zu vermeiden. Der Honigraum des Dadant-Volkes war schon gut gefüllt. Bald können wir eine zweite Halbzarge aufsetzten.

Das Volk D neben dem Dadant-Volk hat sich auch gut entwickelt und den zweiten Brutraum ordentlich ausgebaut. Allerdings waren die Mittelwände im Honigraum kaum von den Bienen angerührt worden. Das passiert häufig, wenn auf zwei Bruträumen geimkert wird und der Futterkranz über dem Brutnest mehr als zwei Finger breit ist. Dann gehen die Bienen davon aus, dass darüber nichts mehr kommt – so die Theorie. Wir haben also zwei Brutwaben für einen Sammelbrutableger entnommen und durch Rähmchen mit Mittelwänden ersetzt. Durch die Gasse, die so im oberen Brutraum entsteht, sollen die Biene in den Honigraum gelockt werden. In Schwarmstimmung war dieses Volk noch nicht.

Sammelbrutableger gegen Schwarmstimmung

Verlagsbienen in Schwarmstimmung
Die Verlagsbienen gerieten teilweise schon in Schwarmstimmung und wir bildeten einen Ableger. Fotos: Franziska Weber

Auch Volk A auf der Stockwaage hatte den zweiten Brutraum kaum ausgebaut. Wir beschlossen ihn daher kurzerhand zum Honigraum umzuwidmen. Die Bienen haben wir von den Waben aus der oberen Zarge in die untere gefegt, um zu verhindern, dass sich die Königin darauf befindet, und zwischen die Zargen ein Absperrgitter eingelegt. Allerdings zeigten die Immen hier schon eine deutliche Schwarmstimmung. Statt die Weiselzellen aber zu brechen, haben wir die Brutwabe mit den noch ganz jungen Prinzessinnen für unseren Sammelbrutableger entnommen.

Eine böse Überraschung erwartete uns bei der Durchsicht von Volk B neben dem Stockwaagenvolk. Hier waren Räuber am Werk. Das verrieten uns geleerte Honigwaben mit aufgebissenen Zelldeckeln. Bienen und Brut schienen aber fit. Von Schwarmstimmung war nichts zu sehen. Damit sich die Bienen in Zukunft besser verteidigen können haben wir ihnen vorsichtshalber das Flugloch etwas eingeengt. Aber auch hier wurde der zweite Brutraum nicht ausgebaut. Daher fegten wir auch hier die Bienen in die untere Zarge und erkoren die Obere zum Honigraum.

Verlagsbienen in Schwarmstimmung
Volk A bleibt auf einer Zarge. Was als zweiter Brutraum gedacht war, wird zum Honigraum.

Aus vier werden fünf: Ein Sammelbrutableger wird unser neues Bienenvolk

Die leere Mitte unseres Standes, den unser Winterverlust hinterlassen hat, wurde nun wieder neu besetzt. Der frisch gebildete Sammelbrutableger wird zukünftig unser neues Volk C sein. Zusammengestellt wurde er aus insgesamt vier Brutwaben, alle mit Pollenvorräten und Futterkranz, einer Pollenwabe und einer Futterwabe sowie Rähmchen mit Mittelwänden.

Nun können wir uns auf die Honigernte vorbereiten.

Bzz zum nächsten Mal

Franziska Weber

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