Bienen kaufen: Diese Wege gibt es

22. August 2020

Wer seine Imkerei vergrößern möchte und dabei nicht auf die Vermehrung der eigenen Bienenvölker setzt, kann neue Bienen kaufen – Wirtschaftsvölker, Ableger oder auch Bienenköniginnen. Aber wo, wie und zu welchen Kosten?

Ob Neuimker, der sein erstes Bienenvolk sucht, Imker, die den Bestand vergrößern wollen oder diejenigen, die im Winter Verluste hinnehmen mussten und nun ihre Imkerei wieder aufbauen wollen: Bienenvölker werden online und offline rege gehandelt. Wer Bienen kaufen möchte, sollte allerdings einiges beachten.

Gesundheitszeugnis: Wichtig beim Kauf von Bienenvölkern

Bienen kaufen – bitte nie ohne Gesundheitszeugnis. Das raten nicht nur erfahrene Imker, sondern auch die Bieneninstitute und jeder Amtstierarzt. Dabei steht das Verschleppen von Bienenkrankheiten im Mittelpunkt, genauso wie das von Schädlingen von einem Bienenstandort zum nächsten. Bienenkrankheiten gibt es einige, wobei nicht alle als Tierseuche gelten wie etwa die Amerikanische Faulbrut, auf deren Sporen Proben zur Erstellung eines Gesundheitszeugnis vorrangig untersucht werden. Dennoch gilt: die Bestätigung, dass eine Futterkranzprobe frei ist von Amerikanischer Faulbrut, ist noch kein vollständiges Gesundheitszeugnis.

Wichtiger Unterschied: Für ein Gesundheitszeugnis nimmt der zuständige Amtstierarzt eine Futterkranzprobe als neutrale Person und nicht der Imker bzw. Besitzer der Bienenvölker, der diese verkaufen möchte. In manchen Landkreisen übernimmt dies der Bienenseuchensachverständige des Imkervereins in dessen Auftrag. Zusätzlich schaut sich der Veterinär die Bienen an und beurteilt ihren Zustand bzw. er schaut nach möglichen anderen Bienenkrankheiten. Für eine Auswertung im Labor fasst der Tierarzt oftmals mehrere Futterkranzproben aus verschiedenen Völkern eines Bienenstandorts zusammen – meist als Sammelprobe von sechs bis zehn Völkern.

Gesundheitszeugnis: Woher, wie teuer und wie lange gilt es?

Nach der Auswertung der Futterkranzprobe im Labor bekommt der Imker das Gesundheitszeugnis vom Veterinäramt zugeschickt. Das kann einige Wochen dauern. Zusätzlich müssen Imker mit Kosten rechnen: für die Anfahrtskilometer des Amtstierarztes, für die Arbeit im Labor und auch amtliche Gebühren. Die Kosten variieren je nach Landkreis stark – etwa zwischen 10 bis 30 Euro pro Sammelprobe.

Ausgabe 11/2020

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Ein Gesundheitszeugnis gilt immer für eine Bienensaison. Da diese mit dem Schlupf der Winterbienen beginnt, sollte ein Gesundheitszeugnis nicht vor dem 1. September des vorhergehenden Kalenderjahres ausgestellt sein, wenn man im Frühjahr Bienen kauft. Als Bienenkäufer bekommt man das Gesundheitszeugnis des Bienenstands der Verkäufers meist als Kopie ausgehändigt.

Bienen kaufen: Ableger, Wirtschaftsvolk oder Schwarm

Beim Kauf von Bienen muss sich jeder Imker immer die Frage stellen: Möchte er in dem Jahr der Anschaffung Honig ernten oder eher nicht? Soll es also ein komplettes Wirtschaftsvolk sein, das beim Honigertrag mithilft oder genügt ein frischer Ableger, der erst im nächsten Jahr als Wirtschaftsvolk gilt?

Ein sogenanntes Wirtschaftsvolk kann man sowohl auf Rähmchen im gewünschten Maß erwerben als auch als Kunstschwarm mit Königin oder ohne, so dass man sich eine Königin separat dazukauft. Zudem kann man auch einen Bienenschwarm einfangen und in eine Beute einlogieren.

Ableger werden dagegen gezielt gebildet – entweder aus einer Wabe oder als Sammelbrutableger. Man kann hier eine Königin hinzusetzen oder man lässt die Bienen die Königin aus offenen Brutzellen selbst aufziehen. Sie muss dann allerdings noch begattet werden. Klassischerweise füttern Imker ihre Ableger und behandeln sie mit Milch- oder Oxalsäure gegen die Varroamilbe, wenn er noch in einem Zustand ohne neue Brut ist.

In dieser Form werden Bienen am häufigsten verkauft

Doch egal, ob komplettes Bienenvolk, Königin oder Ableger – als Grundsatz gilt: „Wenn man Bienen kaufen möchte, sollte man das nur bei einem ausgebildeten, erfahrenen Imker tun“, sagt Martin Poreda, Co-Gründer und CEO von Hektar Nektar, des Online-Marktplatzes für den Kauf von Bienen. Hektar Nektar dient als Vermittlungsplattform beim Kauf von Bienen – allerdings unter bestimmten Bedingungen. Neben dem Gesundheitszeugnis ist dabei die Regionalität wichtig. „Da man Bienen nicht lange transportieren darf“, sagt Poreda. Da die Käufe und Verkäufe bei Hektar Nektar statistisch erfasst werden, können die Initiatoren ein paar konkrete Zahlen und Fakten zum Thema nennen: So bestellen Imker vor und zu Beginn der Saison hauptsächlich Auswinterungsvölker, danach kommen die Ableger und wenn es dann Richtung Mai / Juni geht, sind Kunstschwärme und Königinnen dran.

Die Kauf-Statistik von Hektar Nektar für die bisherige Saison 2020 zeigt, dass vor allem Königinnen gefragt sind. Das wurde bisher verkauft:

  • 38,1 Prozent Bienenköniginnen
  • 25,9 Prozent Ableger mit Königin
  • 13,3 Prozent Kunstschwarm mit Königin
  • 10,8 Prozent Beuten und Rähmchen
  • 7,1 Prozent Bienenvolk ohne Beute
  • 1,4 Prozent Bienenvolk mit Beute

Die beliebtesten Rähmchenformate waren dabei: Deutsch-Normal-Maß und Zander.

Bienen kaufen. Bienenschwarm.
Auch ein eingefangener Bienenschwarm kann der Start mit dem Imkern bedeuten. Foto: M. Roth/Pixabay

Bienen kaufen bei Imkern vor Ort

Neuimker starten meist nach einem Imkerkurs über den Imkerverein oder andere vergleichbare Organisationen. Dabei werden nicht selten auch die ersten Bienenvölker oder Ableger zum Kauf untereinander vermittelt. Im Vordergrund steht hier die Regionalität – sowohl, damit man den Kontakt zum Verkäufer der Bienen behält als auch, damit die Bienen nicht über weite Strecken transportiert werden müssen.

Durch den starken Zuwachs an Neuimkern, ist es heute nicht mehr Gang und Gebe, dass jeder Anfänger über den Imkerverein einen Imkerpaten an seiner Seite hat, den er über die erste Saison beim Imkern begleiten kann und dann meist auch ein Bienenvolk oder einen Ableger übernehmen kann. Dennoch ist der lokale Imkerverein meist der beste Weg, um Bienen regional zu kaufen.

Bienen beim Züchter kaufen

Beim Kauf von Bienen über einen Züchter geht es konkret um die Bienenkönigin. Auf diese kommt es an, wenn man auf seine spezielle Bienenrasse wie Carnica oder Buckfast setzen möchte. Außerdem spielen bestimmte Eigenschaften wie die Schwarmträgheit, Sanftmut und Wabenstetigkeit eine Rolle, wenn es um die Qualität eines Bienenvolks geht. Die Eigenschaften werden von der Bienenkönigin weitergeben. Einige Imker setzen gezielt auf die Königinnenzucht und bringen ihre Königinnen zur Begattung zu sogenannten Belegstellen, wo in einem bestimmtem Umkreis nur Bienenvölker bestimmter Rassen oder mit bestimmten Eigenschaften aufgestellt sind. Die darin lebenden Drohnen sollen dann die Königinnen begatten.

Eine Alternative dazu ist die künstliche Besamung von Bienenköniginnen. Auch diese führen aber nur einzelne Imker durch. Infos zu Züchtern, die Bienenvölker und Königinnen verkaufen, bekommt man am besten über den Imkerverein vor Ort.

Bienen über die Schwarmbörse bekommen

Wer mit einem Naturschwarm das Imkern beginnen möchte oder grundsätzlich aufs Schwarmimkern setzt, kann über die Schwarmbörse von Mellifera Bienen bekommen. Die Plattform stellt den Kontakt zwischen den Suchenden und den Schwarm-Findern her. Konkret geht es darum, dass jeder, der einen herrenlosen Bienenschwarm entdeckt hat, ihn über die Schwarmbörse melden kann. Imker aus der Nähe, die sich bei der Börse angemeldet haben, bekommen dann eine E-Mail und können den Schwarm einfangen.

Bienen kaufen. Bienenkönigin.
Bienenköniginnen kann man beim Züchter kaufen. Sie sind in der Regel etwas teurer. Foto: xiSerge/Pixabay

Imker, die teilnehmen wollen, registrieren sich einmalig bei der Schwarmbörse. Dabei speichert die Börse auch Daten dazu, ob der Imker bereit ist für einen Bienenschwarm etwas zu zahlen bzw. ob er eine Aufwandsentschädigung erwartet, wenn er einen Schwarm an einen anderen Imker weitergibt. Dabei werden Preise im Rahmen von kostenlos bis zu 100 Euro von den Börsenteilnehmern selbst vereinbart. Hier geht es zur Schwarmbörse.>>>

Paketbienen kaufen oder nicht?

Die Bieneninstitute warnen regelmäßig vor dem Kauf sogenannter Paketbienen aus dem Ausland. Das sind Kunstschwärme, die die Gefahr bergen, Schädlinge mit einzuschleppen. In den Fokus sind dabei in den vergangenen Jahren vor allem Kunstschwärme aus Süditalien. Hier wurde der Kleine Beutenkäfer entdeckt und könnte über den Onlinehandel mit Bienenvölker auch nach Deutschland gelangen.

Außerdem gibt es deshalb Grund zur Skepsis, da Imker, die auf den Kauf von Paketbienen gesetzt haben, in der Vergangenheit oftmals hohe Kosten bezahlen mussten. Imker, die dennoch Bienen online kaufen wollen, sollten sich im Vorfeld ausreichend erkundigen, wo die Bienenvölker herkommen, wie hoch die tatsächlichen Kosten sind und vor allem: ein Gesundheitszeugnis verlangen.

Tipps zum Kauf von Bienenvölkern über das Internet gibt es hier.>>>

Bienen online kaufen

Wer Bienen dennoch online kaufen möchte oder auch nur den Kontakt zu einem Imker, der Bienen verkauft, online sucht, kann das Portal Hektar Nektar nutzen. Hier werden Bienen trotz Online-Vermittlung aber ausschließlich regional gehandelt. Wer sie nicht abholen kann, bekommt sie auch hier per Post. „Unser Logistikpartner ist auf Lebendtiertransporte spezialisiert und verbringt die Bienen nur über Nacht, um optimale Bedingungen zu gewährleisten. Wenn das Wetter nicht ideal ist, werden Lieferungen nicht durchgeführt“, erklärt dazu Martin Poreda. Die Verkäufer versenden die Bienen in einer speziellen Bienentransportbox, die über ein spezielles Belüftungssystem verfügt.

Damit auch bei der Bezahlung nichts schiefgeht, erhält der Bienenverkäufer sein Geld erst, wenn die Bienen wie versprochen ausgeliefert sind. „Eine 3-tägige Einspruchsfrist vom Käufer stellt das sicher“, sagt der Plattformgründer.

Diesen Marktplatz für Bienenkäufer und Verkäufer gibt es seit 2017 und seitdem wächst sein Handelsvolumens. In diesem Jahr wurden bereits mehr als 2.000 verschiedene Käufe getätigt. Vorwiegend Hobbyimker nutzen das Portal. Die Verkäufer sind meist erfahrene Imker mit mehreren hundert Völkern. Die Preisgestaltung bleibt dabei den Verkäufern überlassen. „Wir haben jedoch Mindestpreise für jede Kategorie, damit es nicht zu einer Preisschlacht für Bienen kommt wie es beim Honig bereits üblich ist“, sagt Poreda.

Hier geht es zu hektarnektar.com >>>

Bienen kaufen: Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Die Preise für Bienen variieren stark – je nachdem, ob es nur eine Königin, ein Ableger, ein ganzes Volk oder ein Schwarm sein soll. Für ein Bienenvolk in einer Zarge muss man in etwa mit 100 bis 150 Euro rechnen. Zweizarger kosten mehr und manches Mal auch Völker auf großen Rähmchenmaßen wie Dadant oder Langstroth. Ableger kosten meist etwa die Hälfte. Höhere Kosten fallen auch dann an, wenn die Bienen biozertifiziert sind oder von einem Züchter stammen.

Welche Kosten beim Kauf von Bienenköniginnen anfallen können, können Sie hier nachlesen.>>>

Grundsätze beim Bienen kaufen

  • Bienen nur mit Gesundheitszeugnis kaufen.
  • Bienen bei einem Imker in der Nähe kaufen, zu dem auch weiterhin Kontakt besteht.
  • Bienenvölker im Frühjahr kaufen nach erfolgreicher Überwinterung.
  • Beim Kauf von Bienenvölkern auf das Alter der Königin achten. Bienenköniginnen können bis zu fünf Jahre alt werden. Jedoch legen Jungköniginnen mehr Eier und sie schwärmen seltener.
  • Beim Kauf auf viele besetzte Brutwaben und die Menge an Bienenmasse achten. Es sollte Brut in allen Stadien vorhanden sein, wenn man ein Wirtschaftsvolk kauft. Dann kann man sicher sein, dass eine Königin vorhanden ist – auch, wenn man diese nicht gesehen hat.
  • Bienenvolk oder Ableger mit frischem Wabenbau kaufen. Man erkennt frische Waben an einer hellen Farbe des Wachs. Dunkle Waben mit viel eingelagertem Pollen sind alt und bringen das Risiko mit sich, dass Krankheitskeime verschleppt werden.

jtw

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